AsienReiseberichteThailand

Bangkok ∙ Unser erster Tag der Weltreise ∙ Thailand

12:00 Uhr - 26. Juni 2017

Wir schließen unsere Haustür ab und verabschieden uns von unser komfortablen Wohnung – für 365 Tage. Unsere Gefühle sind gemischt. Ein bisschen mulmig ist uns schon, eben ein typisches Gefühl das sich bei großen Veränderungen zwangsläufig einschaltet. Aber richtig realisiert haben wir es noch nicht: Wir gehen auf Weltreise. Eines wissen wir aber ganz sicher: Das Packen und Putzen in der Wohnung sowie die letzten Vorbereitungen haben sehr an uns gezehrt und wir sind sehr froh, dies nun endlich hinter uns gebracht zu haben 😀

Also auf den Rucksack und los geht’s zur Bahn. Ganz schön schwer, wobei der große Rucksack das Gewicht gut auf den ganzen Körper verteilt. Eher der kleine Rucksack lässt uns jeden Muskel im Arm spüren. Ob man sich schnell daran gewöhnt? Wir warten auf die S1 zum Flughafen. Die Bahn kommt zu spät, alles bisher wie immer. Das haben wir einkalkuliert. Endlich am Flughafen angekommen checken wir ein – in unseren Flug nach Bangkok. Jetzt sind wir doch ein bisschen aufgeregt.

Um 14:25 Uhr hebt unser Flug ab. Nach Bangkok beträgt die Zeitverschiebung +5 Stunden. Wenn wir nach 10 Stunden Flug ankommen, wird es dort schon um 6 Uhr früh sein. Wir versuchen daher etwas zu schlafen. Klappt natürlich nicht.

05:25 Uhr - 27. Juni 2017

Völlig übermüdet kommen wir in Bangkok an und setzen uns in den gut klimatisierten Zug. Riesige Bürokomplexe ziehen an uns vorbei. Wir fahren bis zur Endhaltestelle und steigen aus. Die Hitze schlägt uns wie eine Wand entgegen. Nun sind wir auf ein Taxi angewiesen. Aus Dokumentationen wissen wir: Taxifahrer in Bangkok stellen gern für Touristen das Taximeter aus und verlangen dann horrende Preise. Nicht mit uns (!) denken wir uns, wir sind vorbereitet. An dem Taxistand fragen wir gleich nach einem Taxi mit Taximeter. Ja Ja, Taximeter, sagt ein Anbieter und winkt uns zu einem seiner Taxis. Wir steigen ein, der Taxifahrer fährt los und macht natürlich nicht das Taximeter an. Wir fragen den Fahrer, ob er bitte das Taximeter anschalten kann. Er ignoriert uns. Wir fragen noch ein zweites Mal. Ein drittes Mal. Beim vierten Mal kann er uns nicht ausweichen. Vielleicht tut er noch so, vielleicht kann er wirklich kein Englisch: Er schüttelt mit dem Kopf und deutet auf das Taximeter. Wir zeigen immer wieder auf das Taximeter, während der Fahrer immer wieder mit dem Kopf schüttelt. Irgendwann geben wir entnervt auf. Auf Bangkoks Straßen herrscht dichter Verkehr: Wo man nur hinsieht fahren oder bzw. eher stehen Autos hintereinander gereiht. Willkommen in der Stau-Hauptstadt! Im Hostel angekommen folgt was kommen muss: Wir diskutieren ewig über den Preis. Was nicht ganz einfach ist, wenn man nicht weiß, was der normale Preis wäre 😀. Wir verhandeln also so gut wir können. Später erfahren wir, dass wir trotzdem zu viel gezahlt haben. Wir behalten im Kopf: Das nächste Mal sofort aus dem fahrenden Auto springen, sobald das Taximeter nicht unverzüglich angeschaltet wird.

Unser Zimmer im Hostel ist noch nicht bezugsfertig. Aber wir können zumindest unsere warme Kleidung gegen Shorts und T-Shirt tauschen. Herrlich! Jetzt fühlen wir uns besser und uns hat wieder die Abenteuerlust gepackt! Bangkok, wir kommen! Unseren großen Backpack lassen wir vertrauensvoll in der Lobby und nehmen nur den kleinen Rucksack mit unseren Wertsachen mit. Draußen spüren wir wieder die Hitze auf der Haut, was ein tolles Gefühl ist! Denn wir haben nun die passende Kleidung und in der Regenzeit ist ein blauer Himmel mit strahlendem Sonnenschein keine Selbstverständlichkeit. Auf geht’s! Wir laufen zur Khoa San Road, eine typische Backpackerstraße mit Restaurants und Bars. Die Straße scheint aber eher für das Nachtleben ausgelegt zu sein, hier ist noch nicht viel los. Andererseits ist es gerade mal um 8 Uhr 😀. Wir haben Hunger und suchen uns ein Frühstück nach thailändischer Art: Pad Thai. Normalerweise können wir uns nicht an Nudeln oder Reis erfreuen, aber da wir die Nacht so gut wie nicht geschlafen haben, kommt es uns nicht vor wie Frühstück. Das Pad Thai (gebratene Nudeln) ist sehr lecker und kostet gerade mal 80 Cent. Wir beschließen, später noch mal heute hier her zu kommen.

Wir schlendern und passieren zahlreiche wunderschön mit Gold und Spiegeln verzierte Tempel, die in der Sonne glitzern. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele es von diesen Tempeln gibt. Der Königspalast und der Tempel des Smaragd Buddha sind Hauptattraktionen, welche wir heute allerdings nicht besuchen möchten. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen waren wir bereits in Bangkok und haben den Palast und den Tempel besucht. Zum anderen kommen wir im Laufe unserer Weltreise später nochmals her und möchten uns der Sehenswürdigkeit mit ausreichend Zeit und Elan widmen. Apropos Elan: Der Jetlag und der unzureichende Schlaf in Kombination mit über 30°C machen sich schnell bemerkbar.

09:00 Uhr - 27. Juni 2017

Wir steuern nun auf einen Fluss zu, den Saen Saep und steigen zusammen mit einigen anderen Thailändern in ein schmales Boot ein. Der schmale, braune Fluss schlängelt sich zwischen einige zerfallende Hütten und mehreren Verkaufsständen vorbei. Das Boot fährt recht schnell, wir bekommen die Gischt der braunen Brühe beim Fahren voll ins Gesicht. Zwei Frauen hinter uns weisen uns netterweise auf eins von drei Seilen auf jeder Bootsseite hin, an welchen man ziehen kann, sodass eine kleine Plastikplane hochgezogen wird. Scheinbar ist es jedermanns Aufgabe, der neben diesen Seilen sitzt, die ganze Fahrt über lang an den Seilen zu ziehen um alle anderen vor Durchnässung zu schützen. Nur bei den Haltestellen wird die Plane runtergelassen, sodass neue Passagiere einsteigen können. Das Wasser und die Fahrtluft haben einen erfrischenden Effekt und wecken wieder unsere Lebensgeister. Die Landschaft wechselt ständig: Eingefallene provisorische Hütten wechseln sich mit schönen neuen Häusern und riesigen Bürokomplexen ab. Bangkok ist wahrlich eine Stadt der Gegensätze. Die pompösen, aufwändig gestalteten, sauberen Tempel stehen direkt neben instabilen Hütten. Auch teure, luxuriöse Häuser nehmen ihren Platz zwischen mehreren Hütten ein, die aussehen, als haben man sie soeben irgendwie mit alten Baumaterialien zusammengeschustert. An der einen oder anderen Stelle steigen seltsame, unangenehme Gerüche auf. Wir fahren bis zur letzten Station und steigen aus. Hier liegt unser nächstes Ziel. Wir versuchen, den Weg zum Flugzeugfriedhof zu finden, sind uns aber nicht ganz schlüssig, in welche Richtung wir müssen. Irgendwie landen wir in einer Art Schule für Mönche. Kleine und große Mönche mit orangem Gewand beäugen uns neugierig aus den Fenstern. Schon erstaunlich, irgendwie haben wir Mönche nur in Tempeln erwartet. Chris fragt nach dem Weg. Als Frau darf man sich nicht neben die Mönche setzen oder sie gar anfassen. Ich trau mich nicht mal, sie anzusprechen. Die Mönche verstehen kein Englisch, aber mit Händen und Füßen kann Chris sich erklären. Weiter geht’s. Unsere Kleidung klebt mittlerweile aufgrund der sengenden Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit an uns. Dennoch freuen wir uns über das warme Klima und die Aussicht auf ein Jahr Abenteuer.

Von Weitem sehen wir alte, zerfallende Flugzeugwracks auf einem riesigen Feld, umgeben von einem Zaun. Als wir den Eingang suchen, sehen wir einen kleinen Jungen um die fünf Jahre. Er steht hinter dem Zaun und fragt uns, ob wir hinein wollen. Dann streckt er sein dünnes Ärmchen durch den Zaun und macht uns verständlich, dass der Eintritt 200 Baht (5,15€) pro Person kostet. Sobald wir bezahlt haben, holt der Junge einen Schlüssel und verschafft uns damit Zugang zum Gelände. Auf dem Feld stehen ca. 6 Flugzeuge bzw. Flugzeugteile. In einem davon wohnt scheinbar der Junge und seine Familie. Wir sehen auch Hühner und Hunde umherlaufen. Der Weg zu den Flugzeugen selbst gestaltet sich nicht ganz so einfach, das Gras und das Unkraut stehen sehr hoch. Es piekst und kratzt ein wenig an unseren Beinen, als wir uns einen Weg zu den Flugzeugen bahnen. Dies könnten natürlich auch die kleinen Fliegen sein, die um unsere Beine umherschwirren. Aber es lohnt sich: Als wir an einem der Flugzeuge angekommen sind, sehen wir, dass man gut hinein klettern kann. Die Kanten sind teilweise etwas scharf, aber es geht. Vorsichtig machen wir einen Schritt nach dem anderen, denn besonders stabil erscheint uns die übrig gebliebene Konstruktion nicht. Wir sehen herausgerissene Türen und Fenster, ein zerschlissenes Kuscheltier sowie herausragende Eisenstangen und arbeiten uns vor bis ans Cockpit. Wenigstens einmal in unserem Leben haben wir es ins Cockpit eines Flugzeuges geschafft 😀. Langsam arbeiten wir uns von Flugzeug zu Flugzeug durch. Das größte Flugzeugwrack umfasst drei Etagen. Dieser Ort ist eventuell nichts für die besonders vorsichtigen Leser unter euch, macht aber wirklich Spaß! Besonders spannend war ein Flugzeug, das sogar drei Etagen hat. 😀

Kleiner Tipp am Rande: Falls es euch hierher verschlagen sollte, bitte nicht die beste Kleidung tragen.

So kommt ihr her:

Am besten nehmt ihr die lokale Fähre auf dem Fluss Saen Saep bis zur Endstation Wat Si Bunruang z.B. ab der MRT Station Phetchaburi oder direkt ab der Phanfa Bridge, welche in der Nähe des Golden Mount liegt. Von der letzten Bootstation sind es ca. 500m zu Fuß bis zum Flughafen Friedhof. Hier folgt ihr der Ramkhamhaeng Alley bis zur Hauptstraße und haltet euch dann rechts. Anschließend überquert ihr einen kleinen Kanal und seht bereits auf der rechten Seite die großen Flugzeuge.

13:30 Uhr - 27. Juni 2017

Nach der Besichtigung des Flugzeugfriedhofs sind unsere Beine von den Gräsern und Sträuchern zerkratzt und von Mücken zerstochen. Notiz an uns selbst: Nächstes Mal besser mit Mückenspray einsprühen. Nun möchten wir zurück ins Hostel, in der Hoffnung, nun einchecken zu können. Wir laufen also wieder zum Boot und fahren zurück. Das seichte Schaukeln des Bootes lässt uns spüren, wie müde wir eigentlich sind. Jetzt heißt es, nicht einschlafen und bei der richtigen Haltestelle aussteigen! Als wir dann später Richtung Hostel laufen fällt uns auf, wie viele Bilder von dem thailändischen König es überall in der Stadt verteilt gibt. Er schaut von riesigen Plakaten an Häusern auf uns hinunter, beobachtet uns auf Bildern in Restaurants und Geschäften. Auch auf der Fußgängerzone zwischen zwei Straßen sehen wir einige Statuen in Form eines verzierten Pokals, in der Mitte ein riesiges Foto. Der König ist in Thailand sehr beliebt und man sollte sich schleunigst hüten, schlecht über ihn zu reden. In einer der Straßen, welche wir passieren, kann man sogar fast in jedem Geschäft Bilder vom König im goldenen Rahmen in fast allen Größen erwerben. Wer wohl ein Bild kauft, dass mehr als drei Meter misst? Wenn nicht sogar mehr?

Endlich sind wir im Hostel und können einchecken. Wir bezahlen und werden sogleich ins Zimmer geführt. Wir haben uns für ein Doppelzimmer entschieden, denn bei all dem Low Budget Ambitionen möchten wir hierauf nicht verzichten. Als wir das Zimmer erblicken, stellen wir sogleich fest, dass wir eine andere Kategorie online gebucht haben. Das Zimmer ist ganz in Ordnung. Die Tapete ist etwas abgeblättert, es gibt keine Steckdose und keinen Mülleimer. Aber es ist sauber und das andere Zimmer ist noch nicht bezugsfertig, daher behalten wir dieses Zimmer und bekommen etwas Geld zurück.  Ca. 7€ ist dafür ein fairer Preis. Es ist sehr verführerisch sich jetzt auf das Bett zu legen und etwas zu schlummern…Aber nein, wir müssen durchhalten, um uns möglichst schnell an die Zeitverschiebung zu gewöhnen. Tschakka! Nach einer halben Stunde Ruhepause und duschen raffen wir uns also wieder auf und setzen unsere Tour fort.

Wieder laufen wir an zahlreichen Tempeln vorbei. Als wir in die Nähe des Palastes kommen, bemerken wir die zahlreichen Sicherheitskontrollen. Bereits bei unseren vorherigen Spaziergang ist uns aufgefallen, dass viele Menschen schwarze Kleidung tragen. Vor dem Palast sammeln sich nun Menschentrauben in schwarz, einige davon haben ein Foto vom König dabei und lassen sich damit fotografieren. Chris erinnert sich vage gelesen zu haben, dass der thailändische König vor Kurzem verstorben sei. Nun macht das ganze Sinn. Viele Thailänder möchten dem König die letzte Ehre erweisen und kommen zum Palast. Später sehen wir auch noch eine Trauerzeremonie.

19:00 Uhr - 27. Juni 2017

Letzter Stopp des Tages: Nochmals die Khao San Road. Nun ist die Straße voll von Menschen, Verkaufsständen und Gerüchen. Überall bieten uns Verkäufer Leckereien von ihren Ständen an, andere preisen ihre Restaurants mit bunten Essenskarten an. Typisch thailändisch ist es hier sicher nicht – es ist ein Treffpunkt der Backpackerszene. Aber es ist bunt und laut und gefällt uns. Bevor wir uns ein lauschiges Plätzchen zum Essen suchen, müssen wir kurz uns noch erkundigen, wie teuer der Transport mit dem Bus zum Flughafen ist. Wir sind überrascht – die Anbieter auf der Straße verlangen für zwei Personen den selben Preis wie auch ein bequemes Taxi kostet. Bei drei Leuten ist das Taxi sogar die günstigere Alternative für den Transport zum Flughafen. Anscheinend gehen die Anbieter auf Dummfang, schließlich erwartet niemand, dass ein Taxi günstiger sein könnte. Nicht mit uns! 😃 Nachdem das geklärt ist, setzen wir uns in ein kleines Restaurant. Wir bestellen Chicken Curry and Cashew Chicken. Während wir auf unser Essen warten, kommen wieder einige Verkäufer vorbei und bieten uns ihre Waren an. In dieser Straße kann man sich wahrlich alles kaufen, was man nicht braucht: Armbänder mit nicht jugendfreien Sprüchen, riesige Feuerzeuge mit hässlichen Motiven, Skorpione sowie Taranteln und Käfer zum Essen und Teaser. Obwohl man mit Teaser bestimmt nicht das Problem hat, dass der Taxifahrer nicht das Taximeter anstellt. Andererseits ist es fraglich, ob man damit problemfrei beim Flughafen einchecken kann. Naja, wie auch immer – eine Gruppe von Jungs haben derweil entschieden, einen der Skorpione am Holzspieß zu probieren. Einer der Jungen schiebt den Spieß mit einem leidenden Gesichtsausdruck Richtung Mund. Der Skorpion sieht aus wie aus Plastik, der schwarze Chitinpanzer glänzt, als ob jemand sich die Zeit genommen hätte, ihn zu polieren. Wir leiden mit ihm. Langsam beißt er ab und sieht dabei aus, als ob er sich sofort übergeben möchte. Yummi. Als dann unser leckeres Essen kommt, sind wir über unsere vorzügliche Wahl glücklich. Als wir fertig sind, freuen wir uns sehr aufs Bett. Wir schleifen unsere bleiernen Füße bis ins Hostel und schlafen ein. Den nächsten Tag geht es dann gleich mit dem Taxi zum Flughafen, diesmal ohne Diskussion mit Taximeter.

Unsere Fotos zu unseren ersten Weltreise Tag in Bangkok

Alle unsere Bilder vom ersten Weltreise Tag in Bangkok findet ihr in voller Auflösung auf Google Photos.

Über Youtube könnt ihr dazu unser passendes Video sehen: Weltreise Vlog #1

Viel Spaß beim Anschauen unserer Erlebnisse 😊.

4 Gedanken zu „Bangkok ∙ Unser erster Tag der Weltreise ∙ Thailand

  1. Durch diesen tollen Bericht, erleben wir Eure Reise mit. Wir freuen uns schon auf die Fortsetzung.
    PS: Kamen Euch die Skorpione am Spieß bekannt vor (Länderquiz)?

Kommentare sind geschlossen.