NeuseelandReiseberichte

Das milchig blaue Wasser der Hokitika Schlucht und die weißen Gletscher von Neuseeland

Auf dem Weg zur Hokitika Schlucht

Gut ausgeschlafen starten wir unsere heutige lange Tour. Deshalb sitzen wir schon 7 Uhr wieder im Camper. Es geht weiter entlang der Westküste über die Südinsel von Neuseeland. Wir verlassen Greymouth und fahren nach Hokitika, dort liegt in der Nähe die gleichnamige Schlucht. Während der Fahrt ziehen nach und nach die Wolken von gestern Abend weg und wir sehen bereits in der Ferne die großen Berge und Gletscher. Die Wiesen sind grün und zur Verwunderung stehen diesmal keine Schafe, sondern recht viele Kühe darauf. Man könnte denken, wir sind in Bayern oder Österreich unterwegs.

Wir stoppen kurz am Wegrand und machen ein paar Bilder mit den Kühen und den Bergen im Hintergrund. Keine Minute später steht die komplette Herde von der Wiese neben uns am Zaun und schaut uns an. Es sieht echt lustig aus, wenn der Blick von dutzenden Kühen auf einen selbst gerichtet ist. Auch wenn wir uns bewegen, folgen uns die Blicke der ganzen Herde 😉.

Wenige Kilometer später erreichen wir die Schlucht. Die Zufahrtsstraße besteht nur aus Schotter und unser Camper wird wieder durchgeschüttelt. Zum Glück ist bisher auch noch nie ein Reifen auf solchen Straßen geplatzt.

Eine kleine Wanderung führt uns vom Parkplatz zu einer großen Hängebrücke über die Schlucht. Von dort hat man einen ersten guten Ausblick auf die umliegenden, breiten Flüsse. Die Farbe des Wassers ist von einem intensiven und zugleich milchigem Blau geprägt. Es wirkt schon fast surreal, auf eine faszinierende Art und Weise.

So eine Wasserfarbe haben wir bisher auf unserer Tour noch nicht gesehen. Die Farbe kommt übrigens von den winzigen Steinstaubpartikeln aus den Bergen. Je nach Wetter weist so der Fluss eine etwas anderen Blauton auf.

Nach der Hängebrücke führt ein Wanderweg dann hinab ins Tal direkt zum Fluss. Dort klettern wir auf die am Ufer liegenden großen Felsbrocken. Ein ideales Fotomotiv. So verbringen wir hier am Fluss ein wenig Zeit und genießen die Natur um uns herum. Dann geht es wieder aufwärts über die Hängebrücke zurück zum Parkplatz.

Nun nähern wir uns mit dem Camper Stück für Stück den sogenannten Glacierland. Die schneebedeckten Berge werden vor uns immer größer. Doch bevor wir ganz ins Gebirge fahren, stoppen wir nochmals an den kleinen Ianthe See und packen unser Picknick direkt am Strand aus. So idyllisch hatten wir lange nicht mehr gegessen. Am Strand befindet sich noch ein kleiner Holzsteg und viel Schilfrohr.  Wir trinken zum Abschluss noch ein kühles Getränk in der Sonne, bevor es in die weißen Berge geht.

Unsere Wanderung zum Franz-Josef Gletscher

Wenige Stunden später stehen wir mit unserem Camper direkt auf dem Parkplatz vor dem großen Franz-Josef Gletscher. Wir steigen aus und sind ganz verwundert über die Außentemperatur. Ich habe mir extra lange Hosen angezogen. Doch statt Minusgraden zeigt das Thermometer 25 Grad an. Das ist sehr merkwürdig. Es ist bereits 15 Uhr und vor uns liegt wieder eine etwas längere Wanderung. Durch die Erwärmung ist der Gletscher schon stark in den letzten Jahren zurückgegangen. Vom Parkplatz führt ein nun mittlerweile 90-minütiger Weg bis zur Gletscherzunge. Vorbei kommt man an viel Geröll und Schaubildern, welchen den Rückgang des ewigen Eises verdeutlichten. Auf halben Weg liegt ein kleiner Wasserfall. Hier entdecken wir eine Reisegruppe mit Guide, welche sehr schöne Bilder direkt unter dem Wasserfall machen. Sie haben nämlich einen Regenschirm und müssen sich damit alle darunter stellen.

Das Ganze sieht so lustig aus, sodass wir es auch ausprobieren müssen. Wir leihen uns kurz den Regenschirm von der Reisegruppe und machen so auch ein paar feuchte Bilder mit Schirm unter dem kleinen Wasserfall.

Dann geht es weiter und schließlich haben wir es geschafft. Wir sind am Ende des Weges angekommen. Vor uns liegt nun die riesige Gletscherzunge. Das ewige Eis. Doch irgendwie wirkt es von hier unten gar nicht so spektakulär. Statt kristallblau ist das Eis sehr dreckig. Überall ist auch der Himmel blau, nur am Gipfel vom Franz-Josef Gletscher haben sich anscheinend alle Wolken gestaut.

Aller 5 Minuten fliegt ein Helikopter über uns zum Gletscher. Vor Ort kann man auch richtige Gletschertouren buchen. Doch diese sind wirklich teuer. Die Preise starten bei 350 Euro pro Person. Dann würde es mit Eispickel und Guide zu den wirklich blauen Eis hoch oben auf dem Gletscher gehen.

Wir gehen aber stattdessen wieder zurück zu unserem Camper und fahren ein Stück weiter. Dort liegt bereits der nächste große Berg: der Fox Gletscher. Im kleinen Touristenort davor werden wir auch übernachten. Leider gibt es in der Umgebung keine kostenlosen Parkplätze, sodass wir hier ein Stellplatz mit Strom buchen müssen. Aber so haben wir immerhin auch mal wieder eine Dusche direkt auf dem Campingplatz und müssen nicht wie gestern bei Regen am Strand duschen 😉.

Unsere Wanderung zum Franz-Josef Gletscher

Nicht weit von unserem Stellplatz entfernt liegt der Lake Matheson. Er ist berühmt dafür, dass sich die gesamte Bergkette mit Mount Cook und Tasman auf der Wasseroberfläche spiegelt. Jedoch muss man dazu Glück haben. Es darf kein Wind gehen und der Himmel muss klar sein. Und das ist nicht ganz so einfach. Wir treffen gerade ein paar Gäste auf dem Campingplatz, welche eben beim See waren. Leider hatten sie kein Glück. Wir wollen es dennoch selbst probieren. Es ist nun fast 18 Uhr. Am Spätnachmittag soll hier das Licht am Lake Matheson für die Spiegelung am besten sein. Also nichts wie hin.

Um den See führt eine einstündige Wanderung. Es gibt drei Aussichtspunkte auf dem Rundweg. Als wir beim ersten Lookout ankommen, haben wir leider Pech. Man sieht nur den See und recht viele Wellen vom Wind. Schade. Etwas enttäuscht laufen wir dann weiter. Der Wanderweg ist wirklich schön. Man könnte denken, dass wir wieder tief im Dschungel sind. Überall stehen links und rechts riesige Farne und Palmenbäume.

Der nächste Aussichtpunkt trägt den vielversprechenden Namen „View oft he Views“. Auf einen kleinen Hügel haben wir durch die vielen Bäume Blick auf den See. Und siehe da: Der Wind hat aufgehört und die Berglandschaft spiegelt sich wirklich im Wasser. Wir haben schon fast nicht daran geglaubt, einen solchen Ausblick heute zu haben. Es sieht wirklich fantastisch aus. Wir folgen den Weg noch ein Stück und gelangen so direkt zu einer Plattform auf dem See. Hier haben sich bereits auch weitere Touristen angesammelt. Sie genießen den beginnenden Sonnenuntergang. Das Wasser ist immer noch still. Jetzt stehen wir quasi auf dem See und direkt vor uns spiegelt sich der Mount Cook mit allen anderen Bergen klar im Wasser. Nichts ist verschwommen. Es ist wirklich schön. Wir setzen uns auch zu den anderen Gästen und genießen den Ausblick auf die Berge und den See.

Nun ist es fast 20 Uhr. Eigentlich sollten wir langsam zurück zum Campingplatz. Aber stattdessen entscheiden wir uns noch für eine weitere Wanderung. Nur zehn Fahrtminuten von hier liegt der Fox Gletscher. Auf den Parkplatz stehen nur noch wenige Autos. Aber es ist immer noch hell. Die Sonne ist noch nicht untergegangen, verschwindet aber langsam hinter den Bergen. Also spazieren wir etwas zügiger hinauf zur Gletscherzunge. Der Weg ist etwas kürzer als beim Franz-Josef Gletscher, dafür aber wirklich steil.  Eine halbe Stunde haben wir zur Aussichtsplattform gebraucht. Ganze fünf Personen haben wir noch auf dem Weg getroffen. So ruhig kann es hier also sein. Gelohnt hat sich die Wanderung aber nicht. Wieder blicken wir nur auf eine dreckige kleine Gletscherzunge. Sie ist sogar nach unserem Empfinden weniger sehenswert als die Gletscherzunge beim Franz-Josef Berg. Also drehen wir wieder um, und wandern wieder bergab.

Übrigens stehen hier überall Schilder, das Drohnen verboten sind. Daran sollte man sich in Neuseeland auch unbedingt halten. Wird man hier nämlich von einem Ranger erwischt, kostet es gleich 5000 NZ Dollar Strafe und die Drohne wird auch noch eingezogen. Daher wird es auch von uns keine Drohnenaufnahmen von Neuseeland geben.

Gegen 21 Uhr erreichen wir den Campingplatz. Wir sind schon richtig hungrig. Also geht es schnell in die Küche ein paar Nudeln mit Tomatensoße kochen. Denn viel Zeit haben wir nicht. 22 Uhr wird vom Campingplatz eine kostenlose Führung durch den Wald zu den Glühwürmchen angeboten. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Vor der Rezeption hat sich eine kleine Gruppe von ca. 20 Personen versammelt. Der Eigentümer vom Campingplatz ist unser Guide. Er führt uns gemeinsam mit einem kleinen Kind, was vermutlich sein Sohn ist, in den Wald. Erst jetzt wird es auch langsam richtig dunkel. In Neuseeland strahlt die Sonne gerade in den Wintermonaten wirklich lange. Aber eine Glühwürmchentour macht auch nur im dunklen Sinn. Und kaum sind wir im Wald sehen wir zahlreiche Glühwürmchen. Man kann sie sehr gut sehen aber sehr schlecht filmen und fotografieren. Vor allem an den Bäumen oder bei den Wurzeln sitzen besonders viele Glühwürmchen, welche in der Nacht strahlen.

Leise geht die Wanderung übrigens nicht zu. Das kleine Kind vom Chef hat anscheinend starken Redebedarf. Während der gesamten Tour erzählt es der Gruppe seine Geschichten über Tiere und sein Leben. Das Kind macht wirklich keine einzige Pause. Das ist schon bemerkenswert wie lange man am Stück reden kann. Aber auf der anderen Seite ist es schon recht lustig. Zum Glück sind wir auf keiner Tierbeobachtung. Diese wären sicherlich schon weit vor uns weggerannt 😉.

Kurz nach 23 Uhr erreichen wir dann wieder den Campingplatz. Wir sind richtig erschöpft. Ganze 14 Stunden sind wir auf den Beinen und haben zahlreiche Wanderungen unternommen. Ich glaube das war unser längster aktiver Tag der gesamten Weltreise bisher. Aber es hat sich definitiv gelohnt. Wir haben heute wieder viele neue Seiten von Neuseeland erlebt.

Jetzt wird es aber Zeit im Camper das Bett herzurichten. Eins ist aber jetzt schon klar. Morgen werden wir erstmal seit langem wieder lang ausschlafen. Eine Erholungspause ist dringend notwendig nach so vielen Touren. Aber danach geht es mit dem Camper weiter zu einem weiteren Highlight, wo wir uns jetzt schon drauf freuen.

Alle unsere Bilder findet ihr in voller Auflösung auf FlickR. Viel Spaß beim Anschauen 😊.

Besucht einfach unser Album: Hokitika, Franz Josef Gletcher und der See Matheson

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