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Yangshuo – Mit Floß und Tandem durch die Karstfelsen

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Unterwegs in Yangshuo

Wir checken bei unseren Hostel in Guilin aus, laufen zur Busstation und nehmen den nächsten Stadtbus zum zentralen Busbahnhof. Von dort geht es mit einem weiteren lokalen Bus innerhalb von 90 Minuten nach Yangshuo. Wir haben keine Probleme den richtigen Bus zu finden, da überraschender Weise in dieser Region von China die Ziele der Busse sogar in Englisch an den Abfahrtsplattformen stehen 🚍.

Yangshuo ist für chinesische Verhältnisse ein kleines Touristendorf. Während in Guilin bereits über 5 Mio. Einwohner leben, wohnen in Yangshuo nur 300.000 Chinesen. Wir kommen bei 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit an. Der Bus lässt uns an der Hauptstraße aussteigen. Von dort müssen wir nun noch 1,5km quer durch die Stadt unser Gepäck tragen.  Also packe ich alle Rucksäcke samt Franzi wieder auf den Rollstuhl und los geht es über die Pflastersteine zum Hostel ♿. Etwas verschwitzt kommen wir endlich an. Wir übernachten hier 6 Nächte im Show Biz Youth Hostel direkt am Li River. Unsere Unterkunft hat sogar eine Dachterrasse mit einem fantastischen Blick auf die Stadt und den Fluss. Nur für Franzi ist es etwas anstrengend bis in die 7. Etage über viele Treppenstufen zu laufen 😉.

Abends erkunden wir dann noch Yangshuo 🏙️. Hier bemerken wir, dass der Ort wirklich für Touristen ausgerichtet ist. Das Zentrum bildet die West Street. Dort, sowie auch in allen Seitengassen, befinden sich Imbisse, Restaurants sowie viele Shops mit lauter chinesischer Musik. Vor den einzelnen Geschäften befinden sich Verkäufer, welche durch kleine Shows oder Demonstrationen ihrer Künste versuchen, die Touristen hereinzulocken 💃🏻. Lustig dabei ist zu beobachten, dass vor jedem Schmuckgeschäft ein Schmied sitzt, welcher natürlich den Schmuck gerade herstellt und vor jeden Süßigkeitsladen kräftige Männer in großen Eimern Zucker zerstampfen 🍦.

Die Straßen sind voll von Touristen. Es gibt sogar mehrere deutsche Restaurants mit Currywurst, Schweinshaxe und Bier vom Hofbräuhaus. Bisher hatten wir während unserer Rundreise durch China noch nicht einen solchen touristischen Ort gesehen. Das ist mal eine interessante Abwechslung für uns. Die ganze Stadt ist abends auch wieder wunderschön beleuchtet. So spazieren wir eine Weile durch die Gassen, bevor uns der Hunger packt und wir in einer der Seitenstraßen günstige lokale chinesische Küche finden 🍜.

Unsere Bootstour auf dem Li River

In der Stadt können an jeder Ecke Ausflüge in die Umgebung rund um den Li sowie Yulong River gebucht werden. Diese sind jedoch für uns recht teuer. So beschließen wir die Gegend auf eigene Faust zu erkunden. Die Region ist bekannt für seine wunderschöne Landschaft mit Reisfeldern und Karstfelsen ⛰️. Dies ist nicht nur günstiger, sondern auch viel entspannter. Ohne Touristenmassen kann man an den schönen Plätzen solange verweilen wie wir möchten, während Touren immer einem festen Zeitplan mit großen vollen Bussen folgen 💴.

Auf geht es als ersten Ausflug zum Li River. Hier wollen wir mit einem Floß den Fluss hinunterfahren. Damit wir nicht mit 50 weiteren Booten zusammen im Fluss schwimmen, entscheiden wir uns mit einem lokalen Bus etwas weiter entfernt von Yangshuo unsere Floßtour zu starten. Wir fahren mit dem Bus nach Yangdi. Laut Reiseführer ist das Dorf 30 Minuten entfernt. Unser Bus benötigt jedoch wie immer etwas länger. Nach einer Stunde sind wir dann am Hafen. Der Ort wirkt etwas verlassen. Es gibt viele leere Boote und wenig Touristen. Nach einem kleinen Mittagssnack kaufen wir uns zwei Tickets und steigen auf unser eigenes Floßboot auf 🍜.

Es ist leider noch etwas bewölkt. Jedoch ist es so schön ruhig auf dem Fluss. Es sind weit und breit keine lauten chinesischen Touristen zu hören. Nur am Horizont sehen wir drei weitere Flöße fahren. Wir haben auch Glück. Bereits nach wenigen Minuten Fahrt ziehen die Wolken auf und die Sonne strahlt ☀. Entlang des Flusses ragen immer wieder einzelne große Karstfelsen in den Himmel. Diese liegen malerisch inmitten grüner Reisfelder 🌾. Wir fahren langsam vorbei und genießen die atemberaubende Aussicht. Übrigens hat unser Floßboot einen kleinen Motor. Sonst müsste ja der chinesische Kapitän zu viel paddeln 😉. Dann kommen wir in die Region von Xingping. Die Flösse mit Touristen nehmen zu, da auf diesen Flussabschnitt auch geführte Touren entlangfahren. Hier befinden sich die bekannten Fotomotive, für welche Yangshuo bekannt ist. Wir fahren an den Nine Horse Fresco Hill vorbei und bewundern den 20 Yuan Hill. Wie der Name schon sagt, ist genau dieser Hügel auf der chinesischen 20 CNY Geldnote abgedruckt 💴. Wir genießen die Natur sehr. Weit und breit gibt es keine großen Städte. Die ganze Region erstrahlt durch die Sonne in einem satten Grün. Der Fahrtwind ist auch bei ca. 30 Grad sehr angenehm auf unserem Floß ⛰️.

Nach ca. zwei Stunden Floßfahrt erreichen wir die Endstation Xingping. Vom kleinen Floßhafen hat man nochmals auf verschiedenen Holzplattformen eine wunderbare Aussicht auf den 20 Yuan Hill. Hier ist es auch Zeit die Drohne auszupacken. Jedoch ist nach zehn Minuten der Flug über den Fluss vorbei. Es ist jetzt am Nachmittag durch die Sonne so heiß, dass die Drohne überhitzt und die Verbindung nicht mehr stabil hergestellt werden kann ☀.  Es ist vielleicht auch besser. Hier gibt es keine Schattenplätze und ich komme auch ganz gut ins Schwitzen 😉.

Dann geht es mit einem kleinen Shuttle in das Dorfzentrum von Xingping. Dort schlendern wir durch die kleinen alten Gassen und gönnen uns einen kühlen Maracujasaft sowie saftige Mangoscheiben. Diese mag Franzi besonders gern 😊.

Weiter geht der Spaziergang noch ein Stück entlang des Flusses mit weiteren schönen Aussichten auf die Flöße und Karstfelsen, welche im Hintergrund aus den Reisfeldern ragen 🌾.

Wir sind geschafft und sehen auch am späten Nachmittag dunkle Wolken aufziehen. Nach einer kurzen Suche finden wir einen Bus an der Straße, welcher zurück nach Yangshuo fährt 🚌. Kaum steigen wir ein, fängt es auch an in Strömen zu regnen. Da haben wir noch einmal Glück gehabt 😊.

Zurück in Yangshuo hat es zum Glück wieder aufgehört zu regnen. Für heute Abend haben wir uns nämlich zwei Tickets für die Liu San Jie Impression Light Show gekauft.

Bei der Show dient der Li River mit seinen schönen Karstfelsen im Hintergrund als wunderschöne Bühnenkulisse 🏞️. Am Ufer sind zahlreiche Sitzbänke aufgebaut. Wir kommen mit einem der kleinen Shuttlebussen an und es ist wirklich voll. Auf der Tribüne ist auch Platz für mehrere tausend Gäste.  Dann geht es los. Mit Licht und Musik wird die Landschaft illustriert. Zusätzlich dazu sind über 600 Darsteller gleichzeitig vor, auf sowie im Fluss. Dies sind alles Einheimische der Zhuang Minderheit. Dazu gehören Farmer, Fischer sowie junge Sänger und Tänzer 💃🏻. Sie stellen das Leben am Fluss dar. So fahren beispielsweise über 100 kleine Boote mit roten beleuchteten Bändern gleichzeitig quer über den Fluss oder eine Tänzerin schwingt auf einen Halbmond, welcher sich auf einen schwimmenden Podest befindet, elegant hin und her 🌙. Es ist wirklich sehr schön anzusehen. Vor allem die Masse an Künstlern, welche gleichzeitig auftritt, ist beeindruckend.
Die chinesischen Touristen benehmen sich – zumindest für europäische Verhältnisse – öfters daneben. Die Show ist ihnen anscheinend zu ruhig. So unterhalten sie sich weiter lautstark oder laufen einfach immer vor uns durch das Bild. Manche verlassen sogar die Show 20 Minuten vor Schluss, nur damit sie wieder die ersten im Bus zurück in die Stadt sind 🚌. Für uns etwas unverständlich. Dennoch genießen wir die Show. Uns gefällt es sehr gut und wir verlassen das Areal der Show erst nach dem Ende. Wie erwartet sind wir die letzten Touristen in unseren Shuttle Bus zurück in die Stadt. So mussten auch die Gäste, welche vorzeitig die Show verlassen haben auf uns warten. Recht so 😊! Dann geht es wieder zurück zum Hostel. Wir hatten heute einen wunderschönen Tag mit vielen Erlebnissen und freuen uns auf die weiteren Tage in Yangshuo.

Mit dem Tandem durch die Stadt und Reisfelder

Die nächsten Tage wollen wir wieder die Umgebung auf eigene Faust erkunden. Dies geht am besten mit dem Fahrrad. Da Franzi mit ihren Fuß noch nicht so stark und ausdauernd treten kann entscheiden wir uns für ein Tandem 🚲. Wir sind vorher noch nie Tandem gefahren. Jedoch hat es den Vorteil, dass ich auch alleine treten kann und das Fahrrad nicht einfach umfällt oder anhält. Der Start ist etwas gewöhnungsbedürftig. Das Tandem ist recht lang und am vorderen Lenker habe ich unseren Rucksack samt Kameras und Drohne verstaut. Durch das schwere Gewicht am vorderen Bereich schwingt unser Tandem schnell nach links und rechts. Doch mit etwas Training kommen wir gut zurecht. Unsere Fahrt kann beginnen 😊. Bereits nach 30 Minuten sind wir quer durch die Stadt geradelt, haben den chinesischen Verkehr überlebt und befinden uns nun auf kleinen Wegen mitten durch grüne Reisfelder 🌾. Doch bereits nach zwei Stunden müssen wir bei einem kleinen Lokal am Weg anhalten. Es fängt an in Strömen zu regnen. So kaufen wir uns ein Eis und warten bis der Regen nachlässt 🍦. Dann geht die Fahrt weiter entlang des Yulong Flusses. Wir erreichen die Gongnong Bridge, wovon man einen wunderbaren Ausblick auf den Fluss und die Umgebung hat 🏞️. Unter uns fahren gerade drei Flöße voll mit Chinesen und Wasserpistolen durch. Sie haben anscheinend eine Art Wasserschlacht gebucht. Sie sind eifrig dabei zu spritzen, dass wirklich jeder einzelne auf den Booten komplett nass ist. Wir bleiben zum Glück trocken. Aber es ist trotzdem lustig, das Schauspiel von der Brücke zu beobachten. Unsere Fahrt führt uns etwas ins Hinterland. Wir fahren zwischen den einzelnen Karstfelsen hindurch. Oft geht es auch bergauf. Dabei müssen wir ganz schön strampeln. Wir freuen uns immer, wenn wir den höchsten Punkt vom Hügel erreicht haben und es mit Fahrtwind wieder bergab geht. Durch das Gewicht der Rucksäcke nimmt dabei unser Tandem schnell an Geschwindigkeit auf und bergab können wir alle anderen Fahrräder überholen 😊. Weiter geht es vorbei am Moon Hill. Dies ist ein großer Karstfelsen, welcher in der Mitte ein großes rundes Loch hat. Später geht es dann zurück in die Stadt. Da uns das Tandem fahren sehr viel Spaß bereitet, verlängern wir gleich die Miete.

So geht es am nächsten Tag gleich weiter, wieder zum Yulong Fluss. Diesmal haben wir uns allerdings eine sehr lange Tour rausgesucht und fahren in die andere Richtung des Flussverlaufes 🚲. Wir kommen durch viele kleine Dörfer entlang unseres Weges. Dann finden wir einen schmalen Pfad und entscheiden uns, quer durch die Reisfelder zu fahren 🌾. Hier ist es jedoch sehr schwierig mit dem Tandem zu fahren. Der Weg wird immer schmaler und ist am Ende nur noch wenige Zentimeter breit und sehr uneben. Jedoch ist der Ausblick atemberaubend. Wir parken inmitten der Reisfelder. Alles ist saftig grün und im Hintergrund fließt der blaue Yulong Fluss, auf dem ab und zu immer mal wieder ein kleines Floß vorbei kommt. Nachdem wir den Weg aber fast nicht mehr erkennen, drehen wir wieder um und bleiben auf dem Hauptweg. Dort lässt es sich gleich viel angenehmer fahren. Jedoch hat sich der Abstecher gelohnt 👍. Wir machen auch direkt bei den Reisfeldern eine Mittagspause und lassen die Drohne über den Fluss fliegen. Aus der Vogelperspektive wirkt die Landschaft noch beeindruckender. Dann fängt es wieder kurz an zu regnen. Wenig später kommt die Sonne wieder raus und die Temperaturen steigen über 35 Grad. So kommen wir auf unserem Tandem unter der direkten Sonne ganz schön ins Schwitzen ☀. Am Nachmittag erreichen wir dann die Dragon Bridge. Dort befindet sich ein weiterer Anleger für Floßfahrten. Es parken überall entlang der Brücke kleine bunte Boote. Von der Brücke haben wir einen wunderschönen Ausblick auf den Fluss samt der ganzen Flöße. Es ist wirklich hübsch anzusehen. Dann drehen wir um und fahren entlang des Flusses zurück nach Yangshuo 🏙. Franzi tritt auch die gesamte Fahrt ordentlich mit in die Pedale und wir haben heute über 40 km trotz gebrochenen Knöchel zurückgelegt.

Die nächsten Tage heißt es dann: Ausruhen und zurücklehnen. Auf der Dachterrasse genehmigen wir uns ein kühles Bier und treffen viele weitere Backpacker 🍺. Wir begegnen sogar zufällig einen chinesischen Gast im Hostel, welchen wir in Guilin getroffen haben. Er hatte damals ein Bild vor den Zwillingspagoden von uns gemacht und zeigt es uns nun, damit wir ihn auch wiedererkennen. Wie klein doch China ist 😉.

Falls ihr auch in Yangshuo unterwegs seid, können wir euch noch einen Ausflug auf den Xianggong Hill empfehlen. Dort hat man einen tollen Ausblick auf den Li River, welcher sich durch das Tal zwischen den ganzen Reisfeldern und Bergen schlängelt ⛰️. Für uns ist der Ausflug noch nicht das Richtige, da man doch sehr viele Stufen bergauf klettern muss. Aber andere Backpacker, welche den Ausflug gebucht haben, waren alle beindruckt und können ihn nur weiterempfehlen, sofern kein Nebel oder Regen auftaucht 👍.

Nachdem wir wieder genug Energie aufgetankt haben geht es weiter. Wir buchen einen Shuttlebus, welcher uns direkt zum Flughafen nach Guilin bringt 🚍. Dazu holt uns ein kleines Auto ab, welches uns zur Busstation fährt. Dort wird es plötzlich sehr eng. Anscheinend rechnen Chinesen nicht mit Gepäck, wenn man zum Flughafen will. Jedoch hat jeder Gast einen großen Koffer und wir zusätzlich einen Rollstuhl dabei. Nachdem alle Gäste im Auto sind, ist kein Platz mehr für das Gepäck und wir müssen alles auf den Schoß nehmen. So geht es wie in einer Konservendose zum Busbahnhof. Dort haben wir zum Glück wieder mehr Platz. Der Flug hat diesmal zum Glück auch keine Verspätung und wir heben zu unserem letzten Stopp in China ab 🛫.

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