Kalimantan – Unterwegs mit dem Boot zu Nasenaffen und Orang Utans

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Wir fliegen nach Pangkalan Bun

Semarang ist unser Zwischenstopp auf dem Weg nach Kalimatan. In der Stadt haben wir für 14 Euro das New Metro Hotel gebucht. Überrascht finden wir am Flughafen eine Person mit unserem Namensschild. Es ist der Fahrer des Hotels. Er bringt uns kostenlos in die Stadt. Das ist recht praktisch, da Franzi mit ihrem Gips sehr schwer laufen kann. Im Hotel haben wir sogar ein Zimmer mit zwei großen Doppelbetten, einen Essbereich und einer Klimaanlage. Es ist für uns schon Luxus 😊. Das haben wir für den Preis nicht erwartet und freuen uns auf die wohltuende Überraschung.

Da wir nun in einer größeren Stadt sind, entscheiden wir uns auf die Stadterkundung zu verzichten und überprüfen lieber Franzis Bein nochmal bei einem englischsprachigen Arzt. Er versichert uns, dass der Gips korrekt angelegt ist, schlägt uns aber für eine bessere Mobilität eine 2-stündige Operation vor. Diese kann jedoch erst stattfinden, nachdem die Schwellung am Fuß von dem Unfall zurückgegangen ist. Wir fragen, ob eine Tour durch Kalimantan mit dem Gips möglich sein. Er versichert uns, dass es kein Problem ist und wir uns keine Sorgen machen sollen. Er empfiehlt die Operation einfach in einer Woche in der nächsten größeren Stadt durchzuführen. So verlassen wir mit einem besseren Gefühl nach einen ausgiebigen Frühstück Semarang und fliegen mit einer kleinen Propellermaschine nach Pangkalan Bun. Der Ort liegt in Kalimantan auf der indonesischen Seite der Insel Borneo. Schon bei dem Landeanflug sehen wir nur dichten Regenwald und keine Straßen🌴. Die Bäume hören erst kurz vor der Landebahn auf. Etwas holprig setzen wir auf und warten im Anschluss auf unser Gepäck am kleinen Flughafen. Dann geht es mit einem Taxi in den kleinen Fischerort Kumai, wo unser nächstes Abenteuer startet.

Am Abend treffen wir noch zwei weitere Touristen vor unserem Hostel 🏨. Sie sind beide mit ihren eigenen großen Motorrädern angereist und umrunden die Welt nur mit ihrem Motorrad. Einer der beiden ist nun fast vollständig um die Erdkugel gefahren und bereits drei Jahre unterwegs. Der andere Fahrer kommt aus der Schweiz und ist in seinem ersten Jahr erst bis Indonesien gekommen. Aber auch er plant noch eine lange Reise um die Welt per Motorrad. Beide nehmen abends ein Containerschiff nach Java. Von dort planen sie weiter über die Inseln nach Australien zu gelangen. Das Frachtschiff benötigt über 24h nach Semarang. Wir waren da mit dem Flieger deutlich schneller und sogar günstiger 🛳️. Ihr Schiff legt gegen 22 Uhr ab. So gehen wir gemeinsam noch etwas Essen. Es gibt frittiertes Hühnchen mit Reis. Dies scheint hier eine Delikatesse zu sein. An den kleinen Stand vom Restaurant stehen viele Einheimische an, um ein Stück Hühnchen zu kaufen. Jedoch ist mehr Panade als Hühnchen vorhanden und zwischen dem Fleisch finden wir viele kleine Knochen. Unseren Geschmack hat es nicht ganz getroffen.

Unsere Airline fliegt den Ort Pangkalan Bun nur 2-mal pro Woche an ✈️. So haben wir bis unsere Tour startet noch einen Tag Zeit, um die Hafenstadt Kumai zu erkunden. Da Franzi nicht so gut laufen kann, frage ich unseren Guide, ob er uns ein Motorroller ausleihen kann. Er stimmt zu und zeigt mir kurz wie ich damit sicher durch die Stadt fahre. Vorher hatte ich noch nie einen Roller benutzt. Jedoch ist es leicht zu erlernen. Nach meinen 5-minütigen Training geht also unsere erste Rollerfahrt los 🛵.

Kumai an sich ist nicht so schön. Am Fluss liegen die ganzen kleinen Boote für die Orang Utan Touren in den Dschungel. Daneben der große Hafen für Frachtschiffe. Dort ist es recht laut und dreckig. Sonst gibt es in der Stadt nicht viel mehr zu entdecken. Wir fahren also nur eine kurze Strecke zu einem Restaurant. Jedoch sehr langsam. Denn es ist nicht so einfach den ganzen Schlaglöchern auszuweichen, damit Franzis Gipsbein nicht zu sehr belastet wird. So stellt man sich zwar nicht seine erste Rollerfahrt vor, aber es ist besser als durch die ganze Stadt zu laufen 😊. Was für ein Erlebnis.

Unsere Bootstour zur den Orang Utans und Nasenaffen

Am nächsten Morgen holt uns unser Guide Andi vom Hotel ab und bringt uns an den Hafen zu unserem Boot. Hierauf werden wir die nächsten 3 Tage verbringen. Neben uns beiden befindet sich nur noch die 4-köpfige Crew an Board. So starten wir mit Guide, Koch, Matrose und Kapitän in Richtung Dschungel. Das Boot ist recht klein. An Deck befindet sich unser Essbereich, welcher aus einen Tisch mit zwei Stühlen besteht. Direkt davor liegen zwei Matratzen. Dies ist unser offenes Schlafzimmer 😊. Sonst gibt es noch eine kleine Toilette an Board. Unter Deck befindet sich die Küche und der Schlafbereich der Crew.

Wir fahren mit sehr langsamen Tempo den Fluss hinunter durch den Nationalpark. Dabei hält unser Guide Ausschau nach Affen 🐒. Zuerst entdecken wir nur zwei Nasenaffen in weiter Entfernung auf den Bäumen sitzen. Doch später sehen wir viele weitere Nasenaffen. Eine ganze Familie mit Babyaffen und kleinen Kindern spielen an den Bäumen direkt am Flussufer. Wir machen Halt und genießen den Anblick der Affen bei unseren Mittagessen. Weiter geht es entlang des Flusses. Immer wieder schauen uns neugierig kleine Affen von den Bäumen an. Plötzlich sehen wir einen wilden Orang-Utan am linken Flussrand, wie er sich seinen Schlafplatz baut. Doch kaum hat er uns gesehen, versteckt er sich hinter einem Busch. So können wir ihn leider nur von der Seite betrachten. Trotz Bananen und Affengeräusche unseres Guides traut sich der Orang-Utan nicht vor zum Flussbett.

Gegen 18 Uhr erreichen wir am Abend ein kleines Dorf am Fluss 🌴. Die Sonne geht nun unter und es wird schnell dunkel. In dem Dorf kann man auch in kleinen Zimmern übernachten. Unser Boot macht am Anlegesteg des Dorfes die Leinen für die Nacht fest. Es wird uns ein leckeres Abendessen serviert, welches wir bei Kerzenlicht genießen. Größere Lichter würden auch nur sehr viele Moskitos anlocken. So lassen wir den Abend romantisch ausklingen. Im Anschluss wird noch ein Moskitonetz über unsere Matratzen gespannt und wir fallen müde in unser Bett.

Am nächsten Morgen werden wir bereits von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Es ist 6.30 Uhr und das Frühstück wird uns serviert. Gleich danach startet der Motor des Bootes und weiter geht es den Fluss hinunter. Am Fluss gibt es drei große Orang-Utan Ranger Stationen. Dort werden zu festen Zeiten die Orang-Utans gefüttert. Jedoch ist im August Hauptsaison im Nationalpark. Alle anderen Schiffe kennen nur die Fütterungszeiten und fahren dann genau diese drei Stationen an. Es liegen so über 35 Schiffe vor einer Station. Die Wege und Fütterungsplätze sind voll mit Touristen 🛥️.

Unser Guide hat eine andere Idee. Für Franzi ist es sehr schwer mit Gips durch den Dschungel zu den oft 2 km entfernten Fütterungsstationen zu kommen. Wir warten eine Weile bis alle Schiffe die Fütterungsstation verlassen haben und legen als einziges Boot am schmalen Anlegesteg an. Unser Guide hat in der Zeit einen Bananenwagen organisiert 🍌. Normalerweise werden damit die Früchte zu den Orang-Utans gebracht. Diesmal setzen wir jedoch Franzi in den Bananenwagen und bringen sie in den Wald. Los geht es über Planken bis zum Rangerhaus. Um den Wagen in den Wald zu bekommen hilft mir dabei der Guide sowie auch der Kapitän unseres Bootes. Dann wird aber der Weg immer schmaler und ist von vielen Wurzeln und umgestürzten Bäumen gesäumt. Wir kommen mit den Bananenwagen nicht weiter. Es beginnt auch zu regnen und wir machen einen kurzen Stopp bei einem Unterschlupf. Guide und Kapitän gehen derweil auf Orang-Utan Suche 🐵. Sie laufen übrigens auch die ganze Zeit barfuß durch den Dschungel.

Der Regen hat aufgehört und der Himmel ist wieder blau. Unser Guide kommt zu uns zurück und schaut uns freudig an. Er hat einen Orang-Utan gefunden, welcher nur 500 Meter tiefer im Wald wartet. Er sagt, er habe den Affen mehr Nahrung versprochen und dass er auf uns warten soll. Also geht es los. Ich nehme Franzi auf den Rücken und weiter geht es in den Wald. Der Weg ist nach den Regen sehr matschig und gesäumt von großen Ameisen und vielen Moskitos. Nach einigen Pausen und vielen Mückenstichen erreichen wir schweißgebadet den Orang-Utan. Er ist tatsächlich noch da 😊. Er begutachtet uns skeptisch von den Bäumen. Doch dann kommt er zu uns ein Stück herunter. Dies liegt wohl auch daran, dass unser Guide Bananen, Erdnüsse und Bambusstangen auspackt. Er nähert sich vorsichtig. Doch nach den ersten Erdnüssen vom Guide klettert er den letzten Baum bis kurz vor unsere Hände herunter. Dann greift er langsam und behutsam nach dem Essen. Seine kleinen rauen Hände gleichen denen eines kleinen Kindes. Wir können es kaum fassen – wir füttern einen wilden Orang Utan! Wir geben ihm nach und nach Nüsse und Bananen. Aber diese hat er schnell gegessen und will wieder gehen. Doch dann packt unser Guide die Bambus Stangen aus. Diese scheint er am liebsten zu essen. So können wir ihn nun sehr lange füttern und beim Essen zusehen 🐒. Es ist schon faszinierend, wie langsam und schwerfällig sich so ein Orang Utan bewegt. Wir staunen, dass die kleinen Bäume und Äste, an denen er baumelt, nicht samt Affe abbrechen.

Nach fast einer Stunde mit dem Orang-Utan machen wir uns auf den Rückweg durch den Dschungel. Wir sehen wie auch der Himmel wieder dunkler und dunkler wird. Wir packen zur Sicherheit unsere Regenjacken aus und schützen Franzis Gips vor möglicher Nässe.

Nur wenige Augenblicke später fängt es an zu regnen. Erst nur ein paar Tropfen, dann ein ganzer Wolkenbruch. Es hört auch nicht mehr auf. Ich trage Franzi den Weg zurück zum Boot während unser Kapitän und Guide den Bananenwagen und meinen Rucksack zurückbringen.

Komplett durchnässt vom Regen erreichen wir unser Boot. Es ist alles vollständig nass bis auf Franzis Bein 😊. Das haben wir sehr gut mit einer Regenjacke geschützt. Auf den Booten trocknen wir uns und wechseln die Kleidung bevor wir dann hungrig unsere nächste Mahlzeit genießen.

Das Boot hat zum Glück auf dem Deck vier große Planen, welche unsere Matratzen und den Essbereich vor den anhaltenden Regen schützen. Glücklicherweise hatte die Crew diese Planen bereits vor Regenbeginn herunterlassen. So sind alle unsere Sachen trocken geblieben 🛥️.

Der Motor wird wieder gestartet. Wir verlassen den Anlegesteg und sehen wie dieser gleich danach von vielen kleinen Affen besiedelt wird. Auch weitere Nasenaffen sitzen ganz nah am Ufer und beobachten unser Boot. Ihnen scheint der Regen als wohltuende Abkühlung zu gefallen 🌧️.

Wir fahren weiter den Fluss entlang, doch leider hört heute der Regen nicht mehr auf. So halten wir für die Übernachtung am Flussrand an und befestigen die Leinen an den Bäumen. Den restlichen Abend verbringen wir auf dem Boot, genießen das Abendessen und denken an die schönen Momente mit den Orang-Utan zurück. Während alle andere Touristen nur die Affen zu den definierten Fütterungszeiten gesehen haben, konnten wir einen jungen Orang-Utan hautnah füttern. Unter den Planen nehmen wir dann wieder Platz auf unseren Matratzen und hoffen, dass die Abdeckungen über die Nacht dichthalten und wir trocken einschlafen können 😊.

Am nächsten Morgen wachen wir wieder mit der aufgehenden Sonne trocken auf 🌞. Auch der Regen hat endlich aufgehört. Heute geht es wieder den Fluss zurück in den Hafenort Kumai. Unseren Guide ist der Regen leider nicht so gut bekommen. Er sieht sehr kränklich aus und muss uns mit einem Schnellboot frühzeitig verlassen. Aber der Kapitän fährt weiter langsam am Flussrand entlang und sucht nach wilden Tieren. So sehen wir noch weitere Affen und ein großes Krokodil im Fluss schwimmen🐊. Wir nutzen auch die Gelegenheit, um über den Fluss und Dschungel mit unserer Drohne eine Runde zu fliegen. Am späten Mittag sind wir bereits in Kumai angekommen und verbringen den restlichen Tag in unserer Unterkunft 🏨.


Danach heißt es „Auf Wiedersehen“ Indonesien. Wir fahren zurück zum Flughafen und haben einen langen Tag vor uns. So geht es über Semarang zurück zur Hauptstadt von Indonesien: Jakarta 🛫. Dort haben wir 6 Stunden Aufenthalt am Flughafen. Unsere Airline Garuda Indonesia verlängert auch unseren Zwischenstopp um zwei weitere Stunden aufgrund einer Flugverspätung. So geht es dann gegen 2 Uhr nachts in das dritte Flugzeug, welches uns nochmal mit einem 7-stündigen Flug in das nächste Reiseland unserer Weltreise bringt.

Unsere Fotos aus Kalimantan

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