NeuseelandReiseberichte

Milford Sound und der Fiordland National Park

Im Fiordland National Park bei Te Anau

Wir haben Queenstown verlassen und stehen gerade auf einen Campingplatz in der Nähe von Te Anau. Geparkt haben wir unseren Camper direkt an einem klaren Fluss mit einem kleinen Kieselsteinstrand und planen gerade unsere Tour.  Vor uns liegt der größte Nationalpark von ganz Neuseeland – der Fiordland National Park ⛰️. Fjorde sind schmale, langgestreckte Meeresarme, welche von drei Seiten vom Festland umschlossen werden. Sie entstehen durch Talgletscher, die mittels bereits bestehender Flusstäler abwärts fließen. So liegen sie meistens zwischen riesigen Bergen oder Schluchten. Der bekannteste Fjord in Neuseeland ist der Milford Sound. Auch er befindet sich auf unserer aktuellen Reiseplanung. Wir haben wieder über die Rabattseite bookme eine Bootstour durch den Fjord gebucht und so nochmals 50 Dollar gespart. So zahlen wir für den Ausflug nur 30 Euro pro Person. Die Tour haben wir für den Spätnachmittag reserviert. Laut Internetangaben eine ideale Zeit, da dann bereits die ganzen großen Reisebusse abgefahren sind.

Am nächsten Morgen verlassen wir unseren gemütlichen Campingplatz und fahren nach Te Anau. Dort geht’s nochmal einkaufen und unseren Camper volltanken. Denn unsere Fahrt durch den Nationalpark ist recht lang und Tankstellen gibt es in der Natur keine 😉.

Zwei Stunden benötigt man von hier bis zum Milford Sound. Da dort die Straße aufhört, muss man auch wieder die ganze Strecke zurückfahren. Aber hier gilt: Der Weg ist das Ziel 🚐.

Die Straße führt quer durch den Nationalpark. Würde man einfach direkt durchfahren, verpasst man wirklich etwas! Wir haben den ganzen Tag Zeit. So stoppen wir bereits am großen Lake Te Anau und einem kleinen Fluss, welcher im See mündet. Das Wasser ist wirklich klar. Heute scheint auch wieder die Sonne und die Aussicht ist einfach schön 🕶️. Man könnte sich glatt den Liegestuhl rausholen und den ganzen Tag entspannen. Doch für uns geht es weiter. Nächster Stopp: Ellington Valley. Hinter den Namen verbirgt sich eine riesige Wiese mit Wildblumen. Im Hintergrund erscheinen die riesigen und majestätischen Gletscher. Bei einer kleinen Wanderung sehen wir hier die Touristen zwischen den Blumen liegen und Fotos schießen. Das probieren wir auch gleich mit aus 😊.

Nur ein paar Kilometer entfernt liegen die Mirror Lakes. Dies sind kleine Seen, wo sich die großen Berge darin spiegeln sollen. Ähnlich wie beim Lake Matheson, wo wir ein paar richtig gute Fotos von der Spieglung gemacht haben. Als wir aber hier ankommen, entpuppen sich die Seen eher als eine Art Tümpel. Er ist wirklich klein. Leider ist es heute ein wenig windig und wir können keine gute Spiegelung der Berge erkennen. Jedoch ist das Wasser richtig klar. Man sieht jedes einzelne Blatt und jeden noch so kleinen Ast unter Wasser. Wir warten noch ein wenig, aber der Wind will nicht aufhören. So geht es dann wieder zurück zum Camper.

Langsam macht sich der Hunger breit. So stoppen wir in der Nähe der Cascade Creek. Hier befindet sich ein Camping bzw. Picknickplatz. Rings um die Wiese, wo wir gerade parken, wachsen überall die typischen lila Wildblumen von Neuseelands Südinsel 🌸. Wir haben sie schon oft auf Bildern gesehen, nun aber auch in der Realität.

Es handelt sich dabei um Lupinen. Sie wurden vor langer Zeit in Neuseeland eingeführt, um das Landschaftsbild zu verbessern. Doch die Pflanzen vermehren sich schneller als gedacht und verdrängen andere heimische Gewächse.  Auch hier wachsen sie überall. Schön sehen sie aber dennoch aus. Wir hätten keinen besseren Platz für unseren Mittagsstopp auswählen können. Wir bauen unseren Tisch direkt auf der Wiese bei den Pflanzen auf und genießen unser Sandwich 🌺.

Zur Verdauung spazieren wir noch ein wenig durch den benachbarten Wald. Im Inneren wachsen riesige Farne und der ganze Boden sowie die Äste sind mit grünem Moos bedeckt. Es ist ein richtiger Märchenwald 🌳.

Hier im Nationalpark hat man wirklich direkt nebeneinander die verschiedensten Vegetationen. Unsere Wanderung führt uns zum Lake Gunn. Direkt dahinter sehen wir wieder die großen schneebedeckten Berge. Ein schöner Anblick. Bisher gefällt uns unsere Tour richtig gut.

Aber das Highlight wartet ja noch auf uns. Also spazieren wir zurück durch den Wald zum Camper und setzen unsere Fahrt fort.

Das Flachland weicht allmählich den großen Bergen. Die Straße wird steiler und enger. Wir kommen an zahlreichen Aussichtspunkten vorbei und schauen in tiefe Schluchten oder auf gigantische Berge 🏞️.

Es gibt hier noch so viele sehenswerte Wanderungen. Doch man kann ja nicht alles auf einmal besichtigen. Hier lohnt es sich definitiv etwas länger zu bleiben. Der Kepler oder Key Summit Track führen die Wanderer tiefer und höher in den Nationalpark. Doch dafür muss man wirklich viel Zeit mitbringen. Diese haben wir leider nicht mehr 😞.

Wir sind auf dem Weg zum Milford Sound. Unser Camper kämpft bereits mit der steigenden Höhe und erreicht nur noch eine Maximalgeschwindigkeit von 30 km/h. Dann liegt ein riesiges Bergmassiv vor uns. Es ist wie eine steile Wand. Nur wo geht es weiter? Doch dann erkennen wir nach zwei weiteren Kurven einen Tunnel. Dieser führt uns auf die andere Seite des Berges.  Dort hat es unser Camper geschafft. Vor uns befindet sich ein tiefes Tal und ich sehe bereits von hier oben die zahlreichen Serpentinen. So rollt unser Fahrzeug schon fast von allein hinunter 🚐.

Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis zum bekanntesten Fjord von Neuseeland. Doch wir haben noch zwei Stunden Zeit. So legen wir einen letzten Stopp zuvor ein. Ein Schild erklärt uns, dass wir nun am „The Chasm“ sind. Wir haben keine Ahnung, was das bedeutet. Aber nach einer kurzen Wanderung wissen wir es. Bereits auf dem Weg dorthin, wird das tosende Wasser immer lauter 🌊.

Vor uns liegt eine tiefe Schlucht. Durch die engen Felsformationen werden die Wassermassen gedrückt und fallen bergab in die Tiefe.  Im Laufe der Jahre hat sich hier der Cleddau Fluss durch das Felsgestein gegraben und ein spektakulärer Wasserfall ist entstanden. Rings herum überall hohe Bäume und riesige Farne. Was für ein schöner letzter Zwischenstopp.

Mit dem Boot durch den Milford Sound

Es ist 16.30 Uhr und wir stehen auf unseren kleinen gebuchten Boot. Wir haben uns extra für den Anbieter Mitre Peak Cruise entschieden, um nicht mit hunderten von Touristen durch den Fjord zu fahren. Wir sind vielleicht ca. 35 Personen. So ist die Atmosphäre gleich viel familiärer. Die Größe hat aber auch einen weiteren Vorteil. Unser Boot ist viel wendiger und kann auch näher an Klippen und Wasserfälle heranfahren als große Boote 🛥️.

Die Fahrt dauert ca. 2.5 Stunden und lohnt sich wirklich. Wir haben uns einen Platz auf dem oberen Außendeck gesichert. Trotz Sonne haben wir Fleece und Regenjacke an. Der Wind ist nämlich doch recht stark und so bleibt es kuschlig warm 😊.

Während der Fahrt merkt man erst, wie riesige die anliegenden Berge und Gletscher sind. Um eine gute Relation zu bekommen sollte man die Größe eines anderen Schiffes mit der Höhe der Berge vergleichen. Erst dann realisiert man die gesamte Dimension. Das ist schon beeindruckend.

Während unserer Fahrt kommen wir an Felsen vorbei mit vielen faulen Seelöwen und riesigen Wasserfällen.  Zwei dieser Wasserfälle kommen wir dank unserer Bootsgröße recht nah. Durch das herunterfallende Wasser und die strahlende Sonne entsteht auch ein riesiger Regenbogen 🌈.

Dann geht es weiter zur Mündung und dem offenen Meer. Hier ist es wirklich windig. Dort dreht das Boot um, und fährt die andere Küstenseite des Fjords entlang. Auch hier begrüßen uns wieder neugierige Seelöwen und große weiße Gletscher zeichnen den Horizont 📷.

Dann stoppen wir wieder an einen wirklich hohen Wasserfall. Neben der Höhe sind hier auch die Wassermassen, welche pro Sekunde in das Fjord strömen, erstaunlich. Als wir dort vor dem Wasserfall parken, haben wir wohl nicht ganz die Lautsprecherdurchsage mitbekommen.

Verwundert schauen wir uns um. Das ganze Deck ist leer. Nur ein Tourist steht mit Regenjacke und GoPro neben uns. Plötzlich gibt das Boot Gas und fährt Richtung Wasserfall. Ich ahne was jetzt passiert 😉.

Schnell retten wir uns noch in das Trockene. Meine Kamera ist nämlich nicht wasserdicht. Wenige Sekunden später steht das komplette Schiff direkt unter dem Wasserfall und das gesamte Deck wird geflutet. Ein paar Minuten später wird es wieder trockener. Nur die Sitzplätze sind nun recht feucht.

Die Fahrt kann weiter gehen. Weitere Gletscher, Wasserfälle und große Regenbogen tauchen direkt vor uns auf 🌈. Es ist ein wirklich schönes Erlebnis und macht richtig Spaß.

Gegen 19 Uhr sind wir zurück. Nun müssen wir nur noch quer durch den ganzen Nationalpark zum Ausgang fahren. Gut, dass es in Neuseeland recht lange hell ist. Jedoch sind die Berge hier recht nah und werfen schnell Schatten. Dann wird es schlagartig kühler.

Auf der Rückfahrt stoppen wir nochmal bei dem großen Tunnel, welchen wir bereits bei der Hinfahrt durchquert haben. Hier entdecken wir zwei Keas. Die dämmerungsaktiven Vögel sind leider vom Aussterben bedroht. Es wird geschätzt, dass hier nur noch 5.000 Vögel leben 🐦.

Der Kea ist jedoch ein recht intelligenter Vogel. Vor allem wenn es um die Nahrungssuche geht. Sie lieben Autos und Camper. Sie versuchen beispielsweise kleine Steine auf die Türklinken von Autos zu werfen, um diese zu öffnen. Vor uns steht auch ein weißes Wohnmobil. Auf dem Dach nagt sich gerade ein Kea durch das Gummi der Dachöffnung 😉.

Alle Möglichkeiten werden probiert, um in das Wageninnere zu gelangen. Auch wenn es recht amüsant ist, den Kea bei seiner Arbeit zu beobachten, müssen wir weiter. Schließlich wird es bald dunkel.

Später stoppen wir nochmals im Nationalpark auf einen Rastplatz und Kochen Abendessen. Jedoch erscheinen plötzlich recht viele nervige Sandfliegen. Der Parkplatz scheint wohl an einem Fluss zu liegen. So genießen wir lieber unser Essen im Auto als draußen am Wasser 🍽️.

Gestärkt geht es weiter und erst gegen 24 Uhr erreichen wir wieder unseren Campingplatz von heute früh. Was für ein Tag! Was für eine Tour! Die Erlebnisse werden sicherlich mit zu den Highlights unserer Weltreise gehören.

Am nächsten Tag setzen wir dann gleich unsere Fahrt nach Invercargill fort, um für die nächsten Tage nochmal die Vorräte aufzufüllen. Schließlich ist bald Weihnachten und dafür aber wir auch wieder eine spezielle Tour geplant 👍.

Alle unsere Bilder findet ihr in voller Auflösung auf FlickR. Viel Spaß beim Anschauen 😊.

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