NeuseelandReiseberichte

Rotorua & Tongariro – Rafting, Schwefelquellen und das unheimliche Mordor

Wildwasser Rafting Stufe V

Wir befinden uns am See Rotorua. Kurz vor 7 Uhr klingelt unser Wecker und der Wald und die Wiesen um unseren Camper liegen noch im leichten Nebel 🌳. Es ist sogar hier etwas frisch. So frühstücken wir heute lieber im warmen Camper. Langsam kommt dann aber auch die Sonne heraus und verdrängt nach und nach den Nebel. Wir starten den Motor unseres Campers und fahren aus dem Wald heraus zum See. Es ist wirklich ruhig. So früh am Morgen ist keine Menschenseele hier. Wir genießen kurz die Ruhe bevor wir zu unserer nächsten Tour aufbrechen. Dafür sind wir gestern extra nachts noch von Waitomo nach Rotorua gefahren. Nicht weit vom See entfernt, befindet sich der Kaituna Fluss und unsere Basis für das folgende Abenteuer. Heute geht es zum Rafting 👍!

Es ist 9 Uhr und zum Glück ist es endlich wärmer geworden. Wir ziehen uns zuerst die Neoprenanzüge an und legen eine wärmende Fleecejacke darüber 👙. Die GoPro wird an meiner Brust befestigt und los kann es gehen. Wir sind heute Morgen 6 Gäste. Gemeinsam mit unserem Guide geht es zum Boot. Hier starten wir zuerst mit ein paar Trockenübungen auf der Wiese direkt vor der Basis. Es folgt eine kurze Einweisung und schon kann das Abendteuer beginnen. Das Schlauchboot wird mit einem Wagen zum Fluss gebracht und auf geht’s. Drei Stunden sind wir heute unterwegs. Spätestens jetzt sind wir auch alle komplett munter. Wir mussten heute ja recht zeitig aufstehen, doch nach den ersten Schritten ins kalte Wasser ist unser Körper komplett munter. Wir lassen gemeinsam das Boot vom Fahrzeugtrailer hinab in das kalte klare Wasser des Kaituna Flusses. Ich sitze heute bei der Raftingtour in der ersten Reihe und Franzi folgt direkt hinter mir. Der Spaß kann also beginnen 😊.

Wir haben uns auch nicht eine beliebige Tour rausgesucht. Heute sind wir auf der Wildwasserstufe V unterwegs. Im Internet wird die zweithöchste Stufe beim Rafting beschrieben „mit extremen Schwällen und ebensolchen Walzen, Wirbeln und Presswasser, welche äußerst schwierig zu durchfahren sind“.

Los geht unsere Tour mit ein paar spaßigen Stromschnellen und Schwimmpausen. Das Wasser wird zunehmend schneller und schäumt. Über kleine Fälle kommt unser Boot auch richtig in Fahrt. Bei einer Kurve waren wir wohl auch etwas unkoordiniert und schwubs hat eine Welle unser Boot erfasst und wir waren nur noch zu fünft in dem Boot 🌊. Aber im folgenden ruhigeren Wasser haben wir alle wieder eingesammelt und weiter geht die Fahrt.

Wir nähern uns dem Highlight der Tour. Vor uns liegt der 7m tiefe Okere Wasserfall. Franzi hat auch etwas Angst davor. Es geht gleich vertikal mit unserem Boot den Wasserfall hinunter. Mal schauen ob wir alle im Boot bleiben. In der Basis hingen einige Bilder, wo so manche Boote spektakulär umgekippt sind. Wir haben laut Guide also eine gute 50/50 Chance 😉.  Dann wird der Countdown gezählt und los geht es. Kurz vor dem Wasserfall setzen wir uns in das Boot. Auf den Rändern ist es zu gefährlich. Unsere Füße sind auch in einer Schlaufe am Fußboden befestigt, damit uns die entgegenkommenden Wassermassen nicht gleich aus dem Boot drücken. Dann folgt der kurze freie Fall und unser Boot taucht komplett in das frische Wasser ein. Wenige Sekunden später schießen wir wieder an die Wasseroberfläche. Wir sind nicht umgekippt und alle Teilnehmer sind im Boot geblieben! Ich habe eigentlich während der Abfahrt nichts außer Wasser vor und in meinem Gesicht gesehen und gespürt 😋.

So schlimm war es gar nicht und es hat viel Spaß gemacht.

Man ist wirklich schneller unten als gedacht. Im Anschluss folgen noch ein paar Stromschnellen und dann ist unsere Tour schon vorüber.Es zwar eine recht kurze Tour, aber für uns völlig ausreichend.  Für den Preis von nur 40 Euro eine willkommene Abwechslung. Die längeren Stufe V Touren sind hier in Neuseeland gleich viel teurer. Wir hatten auch überlegt, gleich die längste verfügbare „Extreme Rafting“ Tour zu buchen. Aber ein Preis von 120 Euro pro Person hat uns dann doch abgeschreckt und wir haben uns für diese kurze Stufe V Tour entschieden. Uns jedenfalls hat es gefallen und wir haben nun sogar noch mehr Budget für andere Aktivitäten in der Umgebung übrig.

Also verlassen wir im Anschluss die Rafting Basis mit ein paar tollen Fotos und Videos 📷. Wir fahren im Anschluss mit unserem Camper in das umliegende Gebiet, welches voll mit vulkanischen Aktivitäten sein soll.

Geysire, schwefelhaltige Seen und Thermalbäder

Nach den ganzen Abenteuern der letzten Tage wird es nun endlich Zeit für ein wenig Ruhe und Erholung. Für uns geht es zum Waikite Valley mit ihren Thermal Pools. Das liegt etwas außerhalb von Rotorua. Hier übernachten wir auch heute. Dadurch ist nämlich der Eintritt zu den thermalen Quellen kostenfrei 😊.  Es gibt 6 heiße Pools mit 37-39 Grad Wassertemperatur. Es ist sehr schön inmitten von grünen Wiesen und Bäumen angelegt. So nutzen wir den gesamten restlichen Tag, um uns mal wieder richtig zu erholen und zu entspannen 👙.

Neben den Pools verläuft auch ein kleiner Fluss. Von hier wird das Thermalwasser immer abgezweigt und jede Nacht 21 Uhr werden alle Pools abgelassen und mit frischen Thermalwasser vom Fluss befüllt. Der gesamte Fluss dampft richtig. Wir unternehmen auch in dem Gelände eine kleine Wanderung entlang des Flusses zur Quelle. Das sind nur 10 Minuten. Am Ziel angekommen, brodelt richtig das Wasser. Viel sieht man vor lauter Wasserdampf Wolken nicht. Aber wenn mal eine kleine Windböe kommt, sieht man die Quelle unter der Wasseroberfläche sprudeln. Wir genießen den restlichen Tag in den heißen Pools mit einem kühlen Bier. Die Sonne scheint auch die ganze Zeit ☀. Abends gibt es dann noch ein Rumpsteak auf den Grill und wir gehen gut erholt zurück zu unserem Camper.

Am nächsten Tag ist es leider etwas kühler und bewölkt. Aber das macht nichts. Heute sind wir inmitten der Thermalquellen und vulkanischen Aktivitäten unterwegs. Da würden sowieso der Nebel und Dampf den Himmel verdecken.

Wir starten unseren Tag im Wai – O – Tapu Thermal Wonderland. Dort bricht jeden Morgen um 10.15 Uhr der große Lady Knox Geysir aus.  Damit das Wasser aber wirklich richtig hoch spritzt, hat das Personal etwas nachgeholfen. Sie haben einen rein biologischen Stoff in den Geysir gegossen, welcher die gleiche Wirkung wie Seife hat. So brodelt und schießt das Wasser im Anschluss gleiche 10 Meter in die Luft 🌋.

Früher lag hier das erste offene Gefängnis von Neuseeland. Es war eine Sträflingskolonie und die Insassen haben die warmen Thermalquellen entdeckt. Sie wussten jedoch nichts von dem Geysir. So waren sie im heißen Wasser baden und wollten ihre Kleidung waschen. Durch die Reaktion mit der Seife ist jedoch der Geysir ausgebrochen und hat ihre Kleidung durch die Luft gewirbelt und im Wald verteilt. Die Häftlinge habe sich erschrocken und sind schnell nackt weggerannt.

Heute steht auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses das Thermal Wonderland, was zahlreiche Touristen, wie auch uns, anlockt. Es ist ein sehr aktives Thermalgebiet. Überall gibt es viele sprudelnde Quellen und grüne Seen, welche nach Schwefel stinken. Verschiedene Rundwege mit einer Länge von 5-12 Kilometer führen durch die recht große Anlage. Wir haben Zeit und entscheiden uns für die längste Tour 😊.

Nach den ersten Kilometern erreicht man gleich das Highlight des Geländes. Ein Bild davon ist auch auf jeden Prospekt drauf gedruckt. Es sieht aus wie ein großer See und hat den Namen Champagne Pool. Er hat einen Durchmesser von 65m und zählt zu den größten Thermalquellen Neuseelands. In ihm befinden sich Metalloid Verbindungen, welche am Rand des Sees ein knalliges orangefarbiges Sediment bilden. Dies wirkt durch die grüne Farbe des Sees besonders kontrastreich. Der Name des Sees ist auf die kontinuierlich aufsteigenden Gasbläschen zurückzuführen. Sie sind vergleichbar mit den Gasperlen in einer Champagne Flasche.

Unsere Wanderung führt uns weiter vorbei an zahlreichen grünen Pools und Flüssen mit heißem Wasser zu den Schlammpools. Hier steigen Gase vulkanischen Ursprungs auf und zerplatzen an der Oberfläche als Schlammblase. Überall an den Wegen befinden sich auch Höhlen mit sehr gelben Steinwänden. Das sind Sulfat Ablagerungen und dementsprechend riecht es hier auch überall nach Schwefel. Übrigens ist Wai-O-Tapu das größte Geothermalgebiet von ganz Neuseeland 🌋.

Nachdem wir genug Schlammblasen und sprudelnde Thermalquellen in grünen Seen gesehen haben, fahren wir zur Kerosene Creek. Eine holprige Straße aus gelbem Sand führt unseren Camper dort hin.

Dies ist ein Fluss mit einem großen Wasserloch und kleinen Wasserfällen 🌊. Jetzt beginnt es bei uns auch noch leicht zu regnen. Aber das macht nichts. Das Wasser hier hat eine Temperatur von 40 Grad. Also ziehen wir uns schnell nochmal unsere Badesachen an und springen in das angenehm heiße Wasser, um uns zu erwärmen.

Wir waren vielleicht etwas zu lange im Wasser. Man ist danach richtig benebelt. Wir fahren dann zurück zum Waikite Valley, wo wir übernachten haben und nutzen die Duschanlage, um das schwefelhaltige Thermalwasser abzuwaschen. Frisch geduscht verlassen wir dann das Gebiet rund um Rotorua und fahren Richtung Taupo.

Taupo und der Tongariro Nationalpark

Kurz vor Taupo befinden sich die Hucka Falls. Wir wussten eigentlich gar nicht, was uns hier erwartet. Bereits beim parken nehmen wir einen tossenden Lärm von Wasser wahr. Der Parkplatz ist auch gut gefüllt.  Die Hucka Falls bestehen aus zwei Kaskaden und dazwischen liegt in einer Schlucht eine ca. 250 Meter lange Stromschnelle. In nur einer Sekunde fließen hier ca. 200.000 Liter Wasser durch 😮. Damit könnte man in einer Minute ganze 9 olympische Schwimmbecken mit Wasser befüllen. Es ist wirklich laut hier. Das Wasser ist sehr kraftvoll und gefährlich. Nichts kann hier überleben. Dementsprechend gibt es keinen Fisch oder Aal im Fluss. Eine kleine Wanderung führt uns zu zwei verschiedenen Aussichtsplattformen, mit Blick auf die Stromschnelle und die Wasserfallkaskaden. So viel Wasser auf so engen Raum haben wir wirklich selten gesehen. Dazu kommt noch die Farbe. Das Wasser ist richtig hellblau gefärbt 🌊.

Im Anschluss führt uns unsere Fahrt nach Taupo. Genauer genommen zur Touristeninformation im Stadtzentrum. Als nächstes Highlight liegt der Tongariro Nationalpark vor uns. Er gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO. Doch leider hat sich das Wetter verschlechtert. Eigentlich wollten wir das Tongariro Alpine Crossing morgen durchführen.  Eine Wanderung quer durch den Nationalpark vorbei an Lavaströmen, aktiven Kratern, dampfenden Schloten sowie smaragdgrünen Seen. Die Wanderung führt 19 km hoch auf den 2600m hohen Vulkan und dauert ca. 8-10 Stunden 🏞️.

Leider erklärt uns aber das Personal im Besucherzentrum, dass im Nationalpark das Wetter die nächsten 6 Tage sehr schlecht ist. Der Park liegt in einer riesigen Nebelwolke und Regen ist auch angesagt. Die Sicht liegt bei 1-2 Metern. So sind wir gezwungen uns eine Alternative zu überlegen. So lange hatten wir nämlich nicht vor hier zu warten. Dies geht am besten bei einer Flasche Wein. So schlagen wir unser Camp direkt am See an der 5 Mile Bay auf. Wir sitzen so mit Fleecejacke am See und genießen die Natur. Hier im Tal ist es zwar etwas frisch aber sonst ist das Wetter in Ordnung.

Am nächsten Morgen entscheiden wir uns dennoch für eine Tour in den Tongariro Nationalpark. Hier wurde übrigens auch der Film Herr der Ringe gedreht. Der Vulkan Mount Ngauruhoe ist bekannt als der Schicksalsberg 🌋.

Die Fahrt Richtung Nationalpark führt uns stetig bergauf. Nach 90 Minuten sind wir am Besucherzentrum des Nationalparks.  Auch hier wird uns vom Alpine Crossing abgeraten. So entscheiden wir uns für eine andere Wanderung durch Mordor. Statt der 8h sind wir nun heute 5,5h unterwegs. Mit Regenjacke und Rucksack starten wir unsere Wanderung zu den unteren und oberen Tama See auf 1500 Meter Höhe. Bäume oder Wälder gibt es hier nicht. Die Vegetation besteht ausschließlich aus kleinen Büschen und Gräsern. Aber selbst diese werden mit zunehmender Höhe weniger. Wir kommen vorbei an einen recht hübschen Wasserfall und kurz zieht der Nebel weg und wir können einen Blick auf den Schickalsberg erhaschen. Dann geht es steiler bergauf. Die Wolkenwand wird wieder mehr bzw. wir befinden und eigentlich jetzt direkt in den Wolken und es fängt auch an zu regnen. Je höher wir kommen, desto windiger wird es auch. Gut das wir heute nicht beim Alpine Crossing auf 2600 Meter wandern wollten. Dort hätten wir sowieso nichts gesehen und die Temperatur wäre auch sehr kalt.

Wir erreichen nach drei Stunden den oberen Tama See. Jedenfalls sagt dies das Schild. Wir sehen eigentlich nichts, bis auf Wolken. So suchen wir uns einen großen Stein als Windschutz und packen unsere Brote als Mittagssnack aus. Dann haben wir doch nochmal Glück. Für einen kurzen Moment zieht der Nebel weg und wir sehen die beiden Kraterseen und den schneebedeckten Gipfel der anderen Vulkane im Hintergrund 📷. Doch nach wenigen Minuten ist alles wieder weiß vor unserem Gesicht. So entschließen wir uns den Rückweg anzutreten. Im Tal wird es dann wieder erfreulicherweise besser und wir haben sogar einzelne blaue Flecken am Himmel. Wir fahren im Anschluss in den kleinen Ort Ohakune, direkt am Fuße des Nationalparks. Während wir dort eine Kaffeepause in einem urig eingerichteten Lokal machen, zieht die Nebelwand etwas weg und wir haben einen tollen Ausblick auf den Nationalpark und den Gipfel des Mount Ruapehu.

Da hier das Wetter aber die nächsten Tage so unbeständig bleibt, entscheiden wir uns am späten Nachmittag mit unserem Camper weiterzufahren.  Über schöne farbefrohe grüne Wiesen geht unsere Fahrt nach Bulls. Die Landschaft ist wirklich schön. Überall auf den hügeligen Wiesen stehen Schafe und fressen gemütlich das saftige Gras 🐑. Dann entscheidet sich Franzi während der Fahrt mit 100 km/h für ein besseres Bild die Fensterscheibe hinunterzulassen. Dadurch entsteht in unserem Auto so ein Sog, dass durch den Wind unsere komplette Weihnachtsdeko und Prospekte aus dem Fenster gezogen werden. Also drehen wir eine extra Runde, um von der Wiese und Straße alle Dekoelemente wieder einzusammeln 😉.

Dann erreichen wir den kleinen Ort Bulls mit seinen 1000 Einwohnern. Hier schlagen wir unser Nachtlager auf. Für eine Spende von 3 Euro dürfen wir hier auf einen Privatgrundstück mit einer riesigen grünen Wiese und Sommerhaus übernachten. Im Haus gibt es auch Strom sowie eine Küche und Toilette. Auf der Wiese campen auch einige Extremwanderer. Sie erzählen uns beim Abendessen, dass sie bereits seit vielen Wochen unterwegs sind und so fast über die komplette Nordinsel gewandert sind. Sie haben bisher kein einziges Fahrzeug benutzt und dies auch in Zukunft nicht vor. Das ist auch eine interessante aber wirklich anstrengende Variante Neuseeland kennen zulernen. Vor allem die riesigen Berge und Temperaturunterschiede machen eine solche Unternehmung sehr anspruchsvoll. So bleiben wir lieber in unseren Camper und beschränken uns auf längere Tageswanderungen 🚶‍♂️.

Alle unsere Bilder findet ihr in voller Auflösung auf FlickR. Viel Spaß beim Anschauen 😊.

Besucht einfach unser Album: Rotorua & Tongariro Nationalpark​

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.