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Von Kalaw zum Inle Lake ∙ Drei Tage Trekking durch die Dörfer in Myanmar

Kalaw: Unser Startpunkt für die Trekkingtour

Nach unserer Tour zu den gigantischen Höhlen in Pindaya wartet heute schon das nächste Abendeuer auf uns. Wir haben kurz nach unserer Anreise in Kalaw eine dreitägige Trekkingtour zum Inle Lake gebucht. Dabei haben wir uns für den Anbieter Ko Min entschieden.  Zwei ausschlaggebende Argumente haben für diesen Anbieter gesprochen: Zum einen ist die Gruppengröße auf sechs Personen beschränkt und zum anderen ist er einer der wenigen Anbieter, welche eine untouristische Route wählen. Sonst kann es vorkommen, dass man in einem Dorf mit 120 anderen Touristen übernachtet 😊.

Wir wollen aber das authentische Myanmar erleben und die Einheimischen kennenlernen, welche sich noch nicht auf den Tourismus eingestellt haben.

KalawLos geht es am frühen Morgen in Kalaw. Wir werden von unserem Guide und zwei weiteren Pärchen abgeholt. Die großen Rucksäcke verstauen wir auf einem wackligen Moped von einem der Angestellten von Ko Min 🛵. Er hat so seine Schwierigkeiten den großen Rucksäcken auf dem Roller beim Fahren auszubalancieren. Aber er macht das ja nicht zum ersten Mal. Er bringt unser Gepäck, gemeinsam mit dem der anderen Gäste direkt in unsere Unterkünfte am Inle Lake. Wir haben nur das nötigste für die drei Tage zusammengepackt. Schließlich wollen wir ja nicht unsere kleinen Rucksäcke unnötig schwer machen. Voll sind sie aber trotzdem. Dies liegt aber eher daran, dass wir unsere Kameras und die Drohne mit dabeihaben. Da ist eigentlich der erste Rucksack schon voll 😉.

KalawVor uns liegen nun ca. 70 bis 80 Kilometer. Je nach unserem Tempo passt der Guide ein wenig die Streckenlänge an. Aber hier kann ich schonmal vorgreifen. Es sind weit mehr als 80 Kilometer bei uns geworden. Wir scheinen also ein gutes Tempo beim Wandern oder wie es so schön heißt „Trekking“ zu haben.

Die Landschaft ist gleich zu Beginn recht vielseitig. Es geht durch einen Wald, über viele kleine und große Hügel sowie durch Reisfelder und sogar ein grünes Kohlfeld 🌲. Während der gesamten Wanderung am ersten Tag sehen wir keinen einzigen anderen Touristen. Wir haben auch blauen Himmel und so macht das Trekking gleich noch mehr Spaß ☀.

Kalaw

Wir durchqueren verschiedene Dörfer und all die kleinen Kinder, welchen wir begegnen, verfolgen uns mit ihren neugierigen Blicken. Sie sind sehr aufgeschlossen und winken uns jedes Mal voller Freude zu. Aber auch die älteren Menschen grüßen uns. Eine Familie lädt uns sogar auf ein Tee in ihr Haus ein ☕️.

KalawSo haben wir die Gelegenheit noch besser in Kontakt mit den Einheimischen zu kommen. Leider versteht keiner von ihnen Englisch. Aber dazu haben wir ja unseren Guide. Er übersetzt so alle Fragen und Antworten von uns und der Familie beim Tee.

Mittags besuchen wir noch eine kleine Kalksteinhöhle. Darin befinden sich auch wieder ein paar vereinzelte Buddhas. Aber an die Höhle in Pindaya kommt sie aber bei weitem nicht ran 😉.

Da in der Höhle sich wieder ein heiliger Tempel befindet, müssen wir barfuß durch die ganze Höhle laufen. Der Boden ist wirklich kalt und nass. Der kleine Weg führt uns weiter in die Dunkelheit hinein und will auch nicht mehr aufhören.  Es folgen viele Stufen, welche wir ohne Schuhe überwinden müssen. Dies ist in glatten Tropfsteinhöhlen gar nicht so einfach. Dann haben wir es aber geschafft und am Ende sehen wir wieder die Sonne. Nur war die Höhle anscheinend ein langer Tunnel. Unsere Schuhe mussten wir am Eingang abgeben. Wir durften sie nicht mitnehmen. So geht es noch barfuß den kleinen schlammigen Wanderweg über das Feld außen zurück.

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es auch sofort weiter. Wir setzen die Wanderung durch eine Vielzahl an kleinen Dörfern fort. Immer wenn wir wieder eine Anhöhe erreicht haben, sehen wir die nächsten Etappenziele 🏞️.  Am Nachmittag treffen wir auch drei kleine Kinder am Wegrand. Sie singen und tanzen sogar für uns, was sie gerade in der Schule gelernt haben. Schon süß.

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Unsere erste Nacht auf der Trekkingtour

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Nach neun Stunden ist es soweit. Wir erreichen unser Tagesziel. In einem kleinen Dorf übernachten wir direkt in einem Haus bei den Einheimischen. Das Gebäude ist recht einfach.  Es gibt eine Küche sowie einen großen Gemeinschaftsraum. Direkt daneben befindet sich ein Zimmer, wo wir heute alle zusammen übernachten. Jedes Pärchen hat dazu dort eine Matratze und ein Moskitonetz bekommen 🏘️.

KalawIm Garten steht der Brunnen sowie einige Rinder. Am anderen Ende gibt es ein kleines Plumpsklo. Wenn man also nachts auf die Toilette muss, hat man es gar nicht so einfach. Man muss das Haus verlassen und wieder die Schuhe anziehen. Dann folgt ein kurzer Weg durch das Minenfeld von Kuhhaufen 🐃. Und schließlich erreicht man das kleine Holzgestell mit Wellblechwänden.

Licht gibt es hier übrigens nicht. Aber heutzutage hat ja jedes Handy eine Taschenlampenfunktion 😊. Und beim Abendessen werden uns extra Kerzen hingestellt und angezündet.

Nachts wird es schnell recht kalt. Das Haus hat keine Isolierung und die Temperatur fällt auf 8-10 Grad. Wir ziehen also als Vorsichtsmaßnahme lieber gleich unsere Thermounterwäsche an.

Nach dem Abendessen sitzen wir noch eine Weile gemeinsam mit unserem Guide und dem Koch zusammen 🍽️. Dabei erklärt uns der Koch, dass er übernatürliche Kräfte besitzt. Er kann Geister sehen und auch aus den Händen lesen. Hier auf den Dörfern glauben sehr viele Menschen an Geister. Zuvor war unser Koch sogar hauptberuflich Hellseher 👻. Er ist auch heute noch völlig von seinen Fähigkeiten überzeugt und will als Beweis aus unseren Händen lesen. Wir testen das aus. Er erzählt uns Dinge, die er aus unseren Leben durch seine Gabe erfahren hat. Dabei fragen wir extra nach Informationen, die man nicht von unserem Körper und Gesten ablesen kann. Manchmal lag er sogar richtig, aber leider nicht so oft.

Dennoch ist dies ein wirklich lustiger Abend und es macht richtig Spaß fernab von Hostels und Pensionen zu übernachten 🌙.

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Tag 2 – Unterwegs im authentischen Myanmar

Nach dem Frühstück geht es direkt los. Da wir am ersten Tag so schnell waren, nehmen wir heute eine Route, welche eine Stunde länger ist. Wir haben übrigens auch einen richtig guten Guide. Er ist 23 Jahre jung und erklärt uns in sehr gutem Englisch alles was wir während der Tour sehen oder ihn direkt fragen.

Kalaw8 Uhr sind wir bereits wieder zu Fuß unterwegs 🚶‍♂️. Heute ist es am Morgen noch völlig neblig. So sind wir wohl auf einem Feld mit roten Chilipflanzen den falschen Trampelpfad gefolgt. Aber nach einem kleinen Bogen hat unser Guide wieder den richtigen Weg entdeckt. Wir erreichen und passieren eine sehr wacklige Bambusbrücke.

 

KalawEs ist echt ein Wunder, das diese noch nicht zusammengebrochen ist. Bei jedem Schritt gibt sie mehrere Zentimeter nach und wackelt nach links und rechts.

An einer kleinen Badestelle machen wir eine Pause. Das Wasser ist noch recht frisch. So nutze ich die Gelegenheit und fliege eine kleine Runde mit unserer Drohne über die großen Felder 📹. Die Wanderung führt uns im Anschluss immer höher auf einen recht großen Berg. Jetzt wird es auch ein wenig anstrengend.  Von oben haben wir eine richtig gute Aussicht auf die ganzen umliegenden Reisfelder 🔭.

Anscheinend hat ein Bauer meine Drohne von seinem Feld aus entdeckt. Er kommt plötzlich schnell den Berg hochgelaufen und ist sehr neugierig. Ich zeige ihm die Drohne und erkläre alles. Er freut sich richtig. Wir machen dann noch ein gemeinsames Drohnenbild und weiter geht unsere Wanderung.

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Nach den ersten vier Stunden gibt es eine Mittagspause zur Stärkung 🍜. Danach laufen wir durch Regionen mit Dörfern, wo fast nie Touristen vorbeikommen. Die Bewohner winken und die Kinder rennen neugierig auf uns zu. Wir sind eine richtige Sehenswürdigkeit hier in den Dörfern. Es macht richtig Spaß zu sehen, wie sich die Einheimischen über unseren Besuch freuen. Es wird auch gleich gefragt ob, wir alle bereits verheiratet sind. Man weiß ja nie 😉.

KalawEin wenig später stoppen wir an einer Schule, wo gerade der Unterricht endet. Nach der letzten Stunde versammeln sich alle Schüler im Hof und tanzen und singen gemeinsam 🎵. Wir setzen uns zu den Kindern und schauen aufmerksam zu. In der Schule sind wir wohl auch heute das Highlight. Es werden irgendwie immer mehr Kinder. Sie sind sehr neugierig und wir machen noch ein paar gemeinsame Bilder.

KalawEs ist wichtig beim Fotografieren vorher die Einheimischen zu fragen und im Anschluss ihnen das Bild auf der Kamera zu zeigen 📷. Anderenfalls wird es als unhöflich aufgefasst. So dauert es nicht lange, bis ich hinter mir und der Kamera zahlreiche Kinder und Erwachsene habe, welche sich auf dem Foto sehen wollen. Sie freuen sich richtig über diese Bilder und lächeln uns danach freudig an. So ein Erlebnis hat man auch nicht jeden Tag. Unser Guide erklärt uns, dass wir Glück hatten, dass gerade hier im Dorf die Schule vorbei ist.

KalawÜbrigens hat unser Guide auf der Tour einen großen Umschlag mit ausgedruckten Fotos dabei. Ein paar Trekking Gäste aus der USA hatten ihm per Post die Bilder von ihrer vergangenen Tour aus dem letzten Jahr zugeschickt. Er versucht nun die Bilder in den Dörfern an die Menschen zu verteilen, welche er auf den Bildern wiedererkennt. Es ist schön mit anzusehen, wie sich die Einheimischen über diese kleinen Geschenke freuen.

Während der weiteren Wanderung stoßen wir auf einem Feld auf fleißig arbeitende Frauen und einen Kerl, welcher gerade alte Pflanzenreste verbrennt und gleichzeitig eine große Zigarre raucht. Unser Guide erklärt uns alles über deren Arbeiten und dann werden wir von ihnen für ein Foto ran gewunken. Wir hatten noch ein paar Süßigkeiten mit 🍬. Den Kindern wollten wir diese nicht geben. Wir wollen ja nicht, dass sie danach denken, dass Touristen immer Bonbons mitbringen. Aber mit den älteren Menschen auf dem Feld können wir sie gemeinsam essen 😊.

10 Stunden sind bereits vergangen. Wir sind heute wieder lange auf den Beinen. 18 Uhr erreichen wir das letzte Dorf für heute. Hier werden wir wieder in einem Haus mit den Einheimischen übernachten. Unser Chefkoch hat für uns ein leckeres Erdnusscurry zubereitet 🍽️. Es schmeckt richtig gut. Alle Zutaten sind immer frisch und werden erst am ersten Trekkingtag oder im Laufe der Tour auf den Dörfern gekauft.

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Dann wird es wieder Zeit für die Gespenster. Unser Guide erzählt uns am Abend Geschichten aus seiner Kindheit. Er glaubt auch fest an Geister 👻. Als er früher mit seiner Mutter in einem abgelegenen Haus wohnte, haben sie immer die Geister gehört. Eines Tages haben sie Essen zubereitet und in einen verschlossenen Raum gestellt. Als sie es später zum Abendessen holen wollten, war es einfach verschwunden. Die Tür war noch abgeschlossen. Er erklärt uns, dass dies nur die alten Geister gewesen sein können. Auch haben nachts immer wieder die Geister an die Tür geklopft und als sie diese geöffnet haben, stand niemand vor dem Haus. Nach und nach erzählt er uns eine Gruselgeschichte nach der anderen aus seiner persönlichen Vergangenheit.

Mit diesen Geschichten lässt er uns dann mit den Geistern dieses Hauses alleine und wünscht und allen eine gute Nacht 🌙.

Tag 3 – Inle Lake wir kommen!

Während unsere Gruppe noch schläft, habe ich mir heute extra den Wecker etwas zeitiger gestellt. Ich ziehe mich leise an und gehe nach draußen zum Sonnenaufgang. Der Rest schläft noch ruhig weiter. Ein idealer Zeitpunkt, um die Drohne zu starten. Das Dorf ist wie leer gefegt. Ich fliege über das Dorf und die Wälder mit der Drohne. Über den Bäumen liegen noch Nebelfelder, die langsam Stück für Stück aufziehen. Dabei geht langsam am Horizont die Sonne auf ☀. Ein wirklich beeindruckender Augenblick.

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Vielleicht zehn Minuten später stehe ich nicht mehr allein vor dem Haus. Anscheinend hat meine Drohne die ganzen Kinder im Dorf neugierig gemacht. Um mich herum haben sich plötzlich fast 20 Kinder versammelt und wollen die Drohne sehen 📹.

Kalaw Sie sind raunen lauthals vor Staunen, begeistert von der Technik. So etwas haben sie noch nie in ihren Leben gesehen. Durch die nun erhöhte Lautstärke der Kinder ist auch Franzi und der Rest der Wandergruppe aufgewacht und winkt mir fröhlich aus dem Fenster vom Haus zu. Die Kinder wollen gar nicht mehr von meiner Seite weichen. Aber irgendwann ist auch die Batterie leer und die Drohne landet wieder sanft vor dem Haus.

KalawDann gehe ich mich schnell umziehen, denn gleich nach dem Frühstück geht unsere Wanderung weiter 🚶‍♂️. Die letzten 25 Kilometer liegen vor uns!

Unser heutiges Ziel ist das Ufer des großen Inle Lakes. Wir kommen während unserer Tour vorbei an riesigen Auberginen, gelben Sonnenblumenfeldern und einer Zuckerrohrfabrik. Hier wird in einer Art offener Bambushütte mit Kochstellen der klebrige Rohrzucker hergestellt. Es ist alles authentisch. Keiner achtet auf die Hygiene. Es wird alles quasi direkt auf oder am Feld hergestellt. Daher kam wohl der ein oder andere Magenaussetzer der vergangenen Tage, wo wir in Hpa-An waren 😉.

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Dann haben wir es endlich geschafft. Wir sind am Ufer angekommen. Was für eine Tour. Soviel neue Eindrücke haben wir selten auf einmal gesammelt. Es hat richtig viel Spaß gemacht. Ich denke es gibt keine bessere Möglichkeit das Leben auf dem Land und das authentische Myanmar kennenzulernen, wie auf einer solchen Trekkingtour. Und teuer waren die drei Tage auch nicht. Nur ganze 65 USD inkl. Essen und Guide mit Übernachtungen und Transport der großen Rucksäcke hat uns diese Tour gekostet.  Für dieses Geld konnten wir in anderen Ländern, wie Australien noch nicht einmal mit der Fähre auf eine vorgelagerte Insel fahren. Wir können euch das Trekking von Kalaw zum Inle Lake nur wärmstens empfehlen.

KalawZum Abschluss gibt es von unserem Koch noch einmal ein leckeres Abschiedsessen 🍜. Er hat sogar aus dem Obst liebevoll kleine und große Figuren geformt und geschnitzt.

Am Ufer erwarten uns zwei kleine Longtailboote, welche uns wieder zurück zum Tourismus in die Stadt Nyaung Shwe am Inle Lake bringen. Doch davon berichten wir euch das nächste Mal mehr.

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Alle unsere Bilder zum Trekking von Kalaw zum Inle Lake in Myanmar findet ihr in voller Auflösung auf FlickR.

Über Youtube könnt ihr dazu unser passendes Video sehen: Weltreise Vlog #63

Viel Spaß beim Anschauen unserer Trekking Erlebnisse 😊.

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