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Die riesigen Karribäume von Pemberton & Stachelrochen in der Hamelin Bay

Der Baumwipfelpfad im Tal der Riesen

Gut ausgeschlafen verlassen wir heute den ruhigen Bauernhof, wo wir mit unserem Camper in der Natur übernachtet haben. Wir starten den Motor und fahren in den beschaulichen Ort Nornalup.
Dabei verlassen wir die Küste und nähern uns den großen Waldgebieten an der Westküste. Welch ein kontrastreiches Programm. Die letzten Tage auf unseren Roadtrip an der Westküste haben wir meist nur vertrocknete Büsche und Steppe gesehen. Hunderte Kilometer ging es durch die gleiche Landschaft nur gerade aus. Wenn wir jetzt aus den Fenster schauen sehen wir riesige Bäume 🌳. Die ganze Landschaft ist grün und unsere Straße sehr kurvenreich.

Vor uns liegt der Walpole-Nornalup National Park. Hier stoppen wir im sogenannten Tal der Riesen. Dort haben die Betreiber des Parks einen Tree Top Walk errichtet. In Deutschland nennt man den Weg zwischen den Baumkronen Baumwipfelpfad. Aber der englische Begriff klingt irgendwie spektakulärer 😉.

Angekommen müssen wir das erste Mal seit langem für die Besichtigung der Natur Eintritt zahlen. An der Kasse werden gleich für unsere Verhältnisse happige 13,50 Euro verlangt. Mal schauen was uns dafür erwartet.

Der Baumwipfelpfad führt uns auf ca. 600 Meter durch die Baumkronen der riesigen Karribäume. Diese Bäume gehören der Gattung Eucalyptus an und werden bis zu 90 Meter hoch. Sie zählen zu den höchsten Baumarten von Australien. Unser Wanderweg führt uns auf eine Höhe von 40 Meter. Von hier aus können wir sehr gut die 300-400 Jahre alten Baumriesen beobachten 📷. Man hat einen wirklich schönen Ausblick auf die Natur und die dichten uralten Wälder. Leider ist man aber bereits nach 20 bis 30 Minuten wieder am Eingang angekommen. Dort gibt es noch einen Rundwanderweg auf dem Boden – den „Ancient Empire Walk“. Immerhin haben die Wanderwege ausgefallene Namen 😋. Auf einem Lehrpfad, durch die wie dort so schön beschriebenen „alten Baumtitanen“, erhält man nochmals einen Einblick aus einer anderen Perspektive. Es ist zwar schön die riesigen Bäume zu betrachten, aber in unseren Augen kann man als Backpacker mit wenig Budget auch den Baumwipfelpfad getrost auslassen. Wie wir später merken, gibt es noch genug Wanderungen durch den Wald, welche keinen zusätzlichen Eintritt kosten und genauso schön sind 👍.

Eine davon befindet sich nur wenige Fahrminuten neben dem Tal der Riesen im gleichen Nationalpark. Dort wächst der „Giant Tingle Tree“. Wir haben diesen Baum als Sehenswürdigkeit auf Google Maps entdeckt und entscheiden uns aufgrund der zahlreichen sehr guten Bewertungen mal zu dem Baum zu fahren. Die Anfahrt gestaltet sich etwas schwierig, aber mit einen Navigationsgerät ist es kein Problem. Durch den Park führt ein Labyrinth aus Einbahnstraßen. Alle samt sind Schlamm- und Schotterpisten. Die Wege sind recht schmal und von vielen Bäumen gesäumt. Eine kleine Herausforderung für unseren Camper. Aber zum Glück bleiben wir nicht stecken und finden den Baum 🌳. Ein schöner und gut angelegter Wanderweg führt hier rund 1 km durch den Park. Die Wanderung kann man auch bei Lust und Laune beliebig durch andere Wanderungen erweitern. Wir entscheiden uns für die kleine Runde. Dies liegt unteranderem auch an den vielen Insekten, welche plötzlich auftauchen. Mit dabei sind wieder die nervigen „Marchflies“. Mit diesen penetranten Tieren hatten wir damals schon im Daintree Regenwald an der Ostküste zu kämpfen 😞.

Sie setzen sich auf die Haut und stechen so stark zu, dass nachdem die Marchfly weg ist, man noch etwas Blut aus der Einstichswunde sieht.

Ohne große Zwischenfälle erreichen wir dann die „Königin der Bäume“. Man merkt an den Namen, dass die Australier hier nicht mit Superlativen gespart haben 😉. Vor uns steht nun dieser große Baum. Er ist der größte bekannteste Eukalyptusbaum der Welt (am Umfang gemessen) und ca. 400 Jahre alt. Er sieht schon gewaltig aus, aber irgendwie können wir uns nicht so sehr wie andere Besucher an den Bäumen begeistern. Es sind halt Bäume – nur irgendwie sehr Große 🌲.

Die Feueraussichtsbäume von Pemberton

Wir haben das Labyrinth aus Schotterpisten gemeistert und endlich wieder den Highway gefunden. Nun geht es einer großen asphaltierten Straße Richtung Pemberton. Plötzlich knallt es vor uns und ein riesiger Ast bricht von einen der Baumgiganten ab und landet direkt vor unserem Auto auf dem Highway 🚐. Trotz Bremsen schafft es unser Camper nicht und überrollt den großen Ast. Wie auch die Bäume ist dieser Ast riesig – vielleicht drei Meter lang und 30 Zentimeter dick. Wir haben aber Glück, dass der Ast recht morsch ist und unser Camper ihn regelrecht zerdrückt. Leider nicht ohne Folgen. Unser Auto hat beim Aufprall ein paar größere Dellen abbekommen und ein paar Plastikteile haben sich an der Front gelöst. Dennoch ist nichts Schlimmeres passiert. Es sind noch alle vier Räder funktionsfähig und der Motor läuft weiter. Gut, dass unser Wagen ohne Selbstbeteiligung voll versichert ist 😊. Nach einem kleinen Schock geht’s dann weiter.

An der Straßenseite bemerken wir so viele Schilder von Nationalparks. Hier scheint wirklich jeder einzelne Waldabschnitt einen einzelnen Nationalpark anzugehören. Gut, dass wir uns am Anfang des Westküsten Roadtrips den Nationalpark Pass gekauft haben. So durchqueren wir bestimmt fünf Parks bis wir in der Umgebung von Pemberton landen 🏞️.

Die Stadt ist ein alter Holzfällerort. Damit die regionale Feuerwehr bei einer so großen Fläche an Wald immer alle Brände im Griff hat, wurden damals sogenannte Feueraussichtsbäume errichtet. Diese gibt es heute immer noch und sind für jeden Besucher frei zugänglich.

Noch ahne ich nicht, was uns dort erwartet. Ich hatte an eine Aussichtplattform auf die Bäume, ähnlich wie im Tal der Giganten, getippt. Doch es kommt anders.

Auf der Fahrt hierher hat es leicht geregnet und der Boden ist nass. Nach einer kurzen Wanderung stehen wir nun vor Dave Evans Bicentennial Tree im Warren National Park 🌳. Mitten im Wald erwartet uns nun dieses Highlight. Es gibt keine Servicekräfte oder Ranger vom Nationalpark. Nur wir und eine andere Gruppe von deutschen Reisenden ist am großen Baum. Der Karribaum ist fast 80 Meter hoch. Eine geschützte Aussichtplattform mit Blick auf den Baum gibt es nicht. Der Baum selbst ist nämlich die Aussichtsplattform. Jetzt verstehe ich auch mehr, was mit dem Begriff Feueraussichtsbaum gemeint ist.

Vor uns steht nun dieser riesige Baum. An Ihn sind 165 Stahlstreben horizontal in den Stamm geschlagen. Diese Stahlstreben führen zu einer Mittelplattform auf 25 Meter Höhe sowie weiter auf eine Höhe von 72 Meter. Damit handelt es sich hier um den höchsten begehbaren Feueraussichtsbaum. Es ist nichts für Personen mit Höhenangst oder schwacher Konzentration 🙄.

Zwischen den Stahlstreben ist nur Luft. Es gibt kein Netz oder ähnliche Sicherheitsmechanismen. Auch ein Gurt oder Seil, wie man es aus deutschen Klettergärten kennt, werden nicht benutzt.

Jede beliebige Person kann freiwillig diesen Baum erklimmen. Ein falscher Tritt und man fällt sehr tief auf den harten Boden. So etwas würde es in Deutschland nicht geben 😊. Also los geht’s.

Mich packt aber leider bereits nach wenigen Metern die Höhenangst. Man blickt während der ganzen Kletterei permanent auf den sich immer weiter entfernenden Boden und die Stahlstreben. Durch den Regen sind die Stangen heute auch recht nass. So entscheide ich mich daher wieder umzudrehen. Franzi ist dagegen mutiger. Sie klettert höher und höher. Sie erreicht die erste Plattform. Dort hat sich schon einen guten Ausblick und viel Adrenalin. Dann entscheidet sie sich wieder zu mir herunterzuklettern. Das letzte Stück zur Baumkrone hat es nämlich nochmal in sich 🌳. Man klettert dann fast vertikal nach oben und die Abstände der Stahlnägel werden auch immer größer. Ein Hinweisschild warnt sogar die Besucher davor. Also Sicherheit geht vor. So eine Klettereinlage hätte ich hier bei Pemberton nicht erwartet. Und angeblich ist hier noch nie ein Tourist vom Baum gefallen 😉.

Zum Abschluss des Tages entscheiden wir uns für ein etwas enspannteres Programm. Zwischen den einzelnen großen Waldabschnitten liegen die grünen Avocado Farms 🥑. Wir stoppen in zwei dieser Anlagen und schauen uns die großen Avocado Bäume an und kaufen sehr günstig viele Avacados. Franzi liebt nämlich diese Früchte 😊.

Kurz darauf befinden wir uns im nächsten Nationalpark. Wir haben mittlerweile aufgehört mitzuzählen, wie viele Parks wir heute schon besucht haben. Im Beelup Nationalpark erwartet uns dann noch eine kleine Wanderung als Tagesabschluss. Sie führt über Hängebrücken zu einem kleinen Wasserfall und Bach 🌊. Dann geht’s nach Pemberton, wo wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit suchen.

Alpakas und noch ein Feueraussichtsbaum

Gut ausgeschlafen und bei strahlender Sonne brechen wir wieder auf in die endlosen Weiten der Wälder von Pemberton ☀. Wenig später stehen wir wieder vor einen dieser angsteinflößenden Feueraussichtsbäume. Der Gloucester Tree im Gloucester-Nationalpark ist einer der bekanntesten für Touristen zugänglichen Kletterbäume. Seine Höhe beträgt 72 Meter und die Aussichtsplattform befindet sich auf 61 Meter 🌳. Diesmal gibt es keine Zwischenstation. Im Gegensatz zu dem Baum von gestern sind die Stahlnägel auch viel steiler angeordnet. So gewinnt man mit wenigen großen Schritt sehr schnell an Höhe. Zum Glück hat es nicht geregnet und die Stahlstreben sind trocken. Ich schaue mir das Treiben lieber von unten an, während Franzi den Aufstieg wagt. Vor wenigen Wochen hatte sie noch an der Ostküste Krücken und jetzt klettern sie schon wieder freiwillig auf wacklige Bäume 😉.

Der Aufstieg hat es in sich. Franzi hat normalerweise keine Höhenangst, aber vor diesen Baum hat sie Respekt. Je höher man kommt, desto schwerer fällt einem das Weitergehen. Franzi hat Herzrasen. Sie ist kurz vor dem Umdrehen. Doch zwei Männer auf der oberen Plattform machen ihr Mut. Ihr Adrenalin treibt sie bis ganz nach oben. Sie hat es geschafft und den Baum bezwungen. Was für eine Leistung 👍. Ich wäre da niemals lebend oben angekommen.

Auf der Plattform bei der Baumkrone kann Franzi sich ausruhen und die Aussicht genießen. Auch wenn der Baum durch den Wind leicht hin und her wackelt.

Übrigens ist der Rückweg viel schwieriger als der Weg nach oben. Beim Herunterklettern muss man nämlich genau schauen wo man hintritt. Die Stahlstreben haben doch einen recht großen Abstand und jeder Tritt daneben würde in einer Katastrophe enden. So muss man mit den Augen immer genau auf den Untergrund achten und schaut dabei unweigerlich die ganze Zeit in die Tiefe. Das verstärkt das Gefühl der Unsicherheit.

Aber nach einer halben Stunde ist Franzi wieder auf dem festen Boden angekommen und ich habe sie wieder heil zurück. Was für eine Tour 🏞️.

Nächster Stopp: Manjimup. Hier gibt es übrigens noch einen dritten bekannten Karribaum zum Hochklettern. Auf den Diamantbaum mit 52 Meter Höhe können sich wieder mutige Kletterer wagen. Aber ein Baum reicht ja pro Tag 😉.

Wir besuchen lieber weniger gefährliche Sehenswürdigkeiten. Im Timber und Heritage Park wird einem die Holzgeschichte beigebracht und man kann auf einer Riesenrutsche sich zur Abwechslung vergnügen. Diese hat dann eher die richtige Höhe für mich im Gegensatz zu den Bäumen 😉.

In Bridgetown besuchen wir dann noch eine Alpaka Farm. Sie liegt etwas außerhalb und ist gar nicht so einfach zu finden. Als wir dann endlich auf dem Gelände parken, begrüßt uns eine ältere Dame freundlich und führt uns ein wenig herum 🚜. Ihre Alpakas wurden gerade erst diese Woche geschert und sind daher etwas schüchtern. Sie holt aber ein Beutel mit Essen heraus, womit wir die süßen Tiere füttern können. So haben wir sie dann doch ganz nah um uns herum. Schon süß, wie ein Alpaka einen anschauen kann. Also Dankeschön für die kleine Tour kauft Franzi sich noch Alpaka Ohrenwärmer in ihrem Farmshop.

Schließlich müssen wir uns bald auf ein neues Reiseland vorbereiten. Dann geht’s zurück in die Stadt. Dort haben wir einen sehr bunten Süßigkeitsladen gefunden. Er ist wirklich farbenfroh und bietet allerhand Leckereien an. Der Besitzer ist auch ein recht lustiger Typ. Er drückt uns übergroße Brillen, Hütte und XXL Lollis in die Hand und macht mit uns ein kleines Fotoshooting in seinem Geschäft 🍭.

Als dann der kleine Hunger kommt und wir uns nicht nur mit Süßigkeiten vollstopfen wollen, stoppen wir in der Nähe von Nanup bei Cambray Cheese zur Käseverkostung 🧀. Und die Auswahl ist wirklich lecker. Neben den Tieren, welche für die Käsezubereitung auf den Weiden grasen, stehen überall am Wegrand auch Orangen und Zitronenbäume. Die Früchte daran haben schon die perfekte Farbe. Neben einem perfekten Fotomotiv sind sie sicherlich auch richtig lecker 🍊.

Gestärkt wird es aber dann Zeit unseren Roadtrip fortzusetzen. Es zieht uns wieder an die Küste.

Die Stachelrochen der Hamelin Bay

Bei meiner Recherche im Internet habe ich gelesen, dass es in der Hamelin Bucht ganz nah am Strand nachmittags und am Morgen viele Stachelrochen geben soll. Die Bilder bei Google machen einen neugierig. Also nichts wie hin. Bereits nach einer Stunde befinden wir uns wieder am Meer 🌊.

Die Sonne strahlt noch, wir packen schonmal unsere Badesachen aus und laufen zum Strand. Diesmal sind wir auch nicht alleine. Dies liegt vielleicht auch am angrenzenden Campingplatz. Dieser hat jedoch recht hohe Gebühren, sodass wir dort nur parken. Wir starten mit einem Strandspaziergang 🏖️. Alles ist ruhig, aber leider sehen wir auch keine Stachelrochen. Dennoch entscheiden wir uns ein wenig länger am Strand zu bleiben. Und das Warten hat sich gelohnt. Langsam ziehen zwar Wolken auf und es wird windig, aber es kommen auch die Tiere. Direkt vor uns im flachen Meer gleiten mehrere große Rochen entlang. Sie haben eine Spannweite von zwei bis drei Metern. Klein sind sie also nicht. Und sie kommen wirklich nah. Sie lieben anscheinend das flache Wasser 🐟. Oder sie werden von den Fischen der dort sitzenden Anglern angezogen. Wer weiß 😊. Trotz der mittlerweile frischen Temperaturen ziehe ich meine Sachen aus und springe mit GoPro ins flache Wasser. Es ist wirklich richtig kalt. Was man nicht alles macht. Ich sehe direkt um mich herum die Rochen schwimmen. Ganze drei Rochen sind da. Und ich stehe nur knietief im Wasser. Angeblich kommen sehr viele Rochen hierher bei sonnigen Wetter und ruhiger See. Doch anscheinend stört die Rochen die Wolke nicht. Mittlerweile gibt es auch recht große Wellen, sodass ich trotz den flachen Wassers dennoch komplett nass werde.  In den Wellen sieht man sogar richtig, wie die Rochen durch das Wasser gleiten. Ein schöner Moment. Was man nicht alles hier an der Westküste erlebt 👍.

Dann wird es aber doch ein wenig frisch. Aber wir waren sehr lange am Strand. Die Sonne geht bereits unter und ich wickle mich in mein dünnes Multifunktionshandtuch ein, was nicht ganz so warm hält 🌅. Die Suche nach einem Campingplatz bringt uns dann nach Augusta. Merkwürdigerweise waren alle günstigen Campingplätze komplett ausgebucht. Schade. Dafür parken wir nun direkt am Meer und genießen und Abendessen auf den Campingplatz bei einer angenehmen Stille. Man hört nur noch uns sowie das Rauschen des Meeres.

Alle unsere Bilder findet ihr in voller Auflösung auf FlickR. Viel Spaß beim Anschauen 😊.

Besucht einfach unser Album: Pemberton und die riesigen Bäume

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